EN ISO 22612
EN ISO 22612 adressiert die partikelgebundene Keimübertragung, bei der Mikroorganismen an Staub oder Hautschuppen haften und ohne Flüssigkeit durch das Material gelangen.
Prüfprinzip: Talkumpulver wird mit Sporen von Bacillus atrophaeus beladen und auf die Materialprobe aufgebracht. Eine definierte Vibration simuliert Bewegung und Erschütterung im Tragebetrieb. Unterhalb der Probe fangen Nährböden durchgetretene Partikel auf; ausgewertet wird die Zahl der koloniebildenden Einheiten.
Bedeutung: Das Verfahren ist relevant für Reinluftkleidung und OP-Bereichskleidung, wo Hautschuppen des Trägers die wesentliche Keimquelle darstellen. Es ergänzt die Feuchtprüfung nach EN ISO 22610.
Anwendung: Prüfgrundlage in EN 13795 für Reinluftkleidung sowie Bestandteil des Prüfrahmens von EN 14126 für Schutzkleidung gegen Infektionserreger.
Häufige Fragen
Warum wird bei EN ISO 22612 trocken geprüft?
Weil Mikroorganismen auch ohne Flüssigkeit übertragen werden, gebunden an Staubpartikel oder Hautschuppen. Gerade bei Reinluftkleidung ist dieser Übertragungsweg maßgeblich, weshalb die Feuchtprüfung allein nicht ausreicht.
Welcher Prüfkeim wird verwendet?
Üblicherweise Sporen von Bacillus atrophaeus. Sporen sind widerstandsfähig, gut standardisierbar und lassen sich auf Nährböden zuverlässig auszählen, was die Reproduzierbarkeit des Verfahrens sichert.
Wofür ist EN ISO 22612 besonders relevant?
Für Reinluftkleidung und OP-Bereichskleidung. Dort sind Hautschuppen des Trägers die wesentliche Keimquelle, sodass die trockene Partikelbarriere über die Wirksamkeit entscheidet.