EN ISO 374-4
EN ISO 374-4:2013 legt das Prüfverfahren für die Bestimmung des Widerstands von Schutzhandschuhmaterialien gegen Degradation durch Chemikalien fest.
Prüfverfahren:
1. Das Handschuhmaterial wird einer definierten Chemikalie für eine festgelegte Zeit ausgesetzt
2. Anschliessend werden gemessen:
- Wanddickenveränderung (prozentuale Zunahme oder Abnahme)
- Reißkraftveränderung (prozentualer Verlust der Zugfestigkeit)
3. Je größer die Veränderung, desto schlechter der Degradationsschutz
Bedeutung für die Praxis:
Degradation ist ein indirekter Schutzmechanismus: Ein degradiertes Material erhöhte Permeationsraten und erleichtert Penetration. Daher sollten Degradationsdaten immer zusammen mit Permeationsdaten betrachtet werden.
Typische Degradationsszenarien:
- Nitril: quillt und verliert Festigkeit bei Ketonen und polaren Lösungsmitteln
- Latex: degradiert schnell bei Mineralöl-Kontakt
- Neopren: allgemein gute Degradationsbeständigkeit, aber anfällig gegenüber chlorierten Kohlenwasserstoffen
- Butyl: excellente Beständigkeit gegen polare Substanzen
Degradationsdaten sind praxisrelevant für die Auswahl des richtigen Handschuhmaterials für spezifische Chemikalien.
Häufige Fragen
Was misst der Degradationstest nach EN ISO 374-4 genau?
Der Test misst die prozentuale Veränderung der Wanddicke und der Reißkraft nach Kontakt mit einer definierten Chemikalie. Je geringer die Veränderung, desto besser der Degradationsschutz des Materials.
Warum ist Degradation wichtig, wenn Permeation und Penetration bereits geprüft werden?
Degradation ist ein Vorläufer: Ein degradiertes Material bietet schlechteren Schutz gegen Permeation und ist anfälliger für Penetration. Degradationsdaten helfen bei der Materialauswahl und bei der Bestimmung maximaler Tragezeiten.
Gibt es Permeationsklassen auch für Degradation?
Nein. EN ISO 374-4 definiert keine Klassen wie bei der Permeation. Das Prüfergebnis ist ein quantitativer Wert (prozentuale Veränderung), der in herstellerspezifischen Chemikalienschutzlisten angegeben wird.