Chemikalienschutzhandschuh
Chemikalienschutzhandschuhe (chemical protective gloves) schützen den Träger vor dem Kontakt mit gefährlichen Chemikalien durch Barrierewirkung gegen Permeation und Penetration. Die maßgebliche Norm ist EN ISO 374-1 (Typ A/B/C) in Verbindung mit EN 16523-1 (Permeationsmessung) und EN ISO 374-2 (Penetrationsprüfung).
Klassifizierung nach EN ISO 374-1:
- Typ A: höchster Schutz; mindestens 6 von 18 Standardchemikalien mit Permeationsklasse >= 2 (Durchbruchzeit >= 30 Minuten) bestanden
- Typ B: mindestens 3 Chemikalien, Klasse >= 2
- Typ C: mindestens 1 Chemikalie, Klasse >= 1 (Durchbruchzeit >= 10 Minuten)
Alle drei Typen sind PSA Kategorie III und erfordern eine Benannte Stelle.
Materialauswahl: Das Handschuhmaterial muss für die spezifischen Chemikalien des Einsatzbereichs gewählt werden. Kein Material ist universell beständig:
- Nitril: gut gegen Öle, Fette, viele Sauren; schlecht gegen Ketone
- Neopren: breites Spektrum organischer Chemikalien
- Butyl: excellent gegen Gase, Ketone, Ester
- PVC: moderate Beständigkeit
Chemikalienschutzhandschuhe können zusätzlich EN ISO 374-5 (Mikroorganismenschutz inkl. Viren) und EN 388 (mechanischer Schutz) erfüllen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Chemikalienschutzhandschuh und einem medizinischen Einmalhandschuh?
Medizinische Einmalhandschuhe (EN 455) schützen vor Mikroorganismen und werden als Medizinprodukt (Klasse I) eingestuft. Chemikalienschutzhandschuhe (EN ISO 374-1) schützen vor gefährlichen Chemikalien und sind PSA Kategorie III. Ein Handschuh kann beide Normen erfüllen.
Wie wähle ich das richtige Handschuhmaterial für Chemikalien aus?
Die Materialwahl richtet sich nach den Permeationsdaten des Herstellers für die spezifische Chemikalie. Kein Material schützt universell. Nitril versagt bei Ketonen, Butyl ist gut gegen Gase. Immer herstellerspezifische Chemikalienschutzlisten prüfen.
Sind Chemikalienschutzhandschuhe wiederverwendbar?
Das hängt vom Material, der Chemikalie und den Einsatzbedingungen ab. Nach Chemikalienkontakt muss geprüft werden, ob das Material degradiert ist. Permeation läuft auch nach Ende des Kontakts weiter. Viele Hersteller geben maximale Tragezeiten vor.