Reißdehnung
Reißdehnung ist die auf die ursprüngliche Messlänge bezogene prozentuale Verlängerung einer Probe im Augenblick des Bruchs. Bestimmt wird sie im Zugversuch nach ISO 37 (Elastomere) gemeinsam mit der Kraft beim Bruch.
Normative Einordnung:
- EN 455-2 legt für medizinische Einmalhandschuhe Abmessungen und die Kraft beim Bruch fest (9,0 N für sterile OP-Handschuhe, 6,0 N für Latex und Nitril, 3,6 N für thermoplastische Materialien). Mindestwerte für die Reißdehnung enthält diese Norm nicht.
- Verbindliche Dehnungsgrenzen finden sich in den US-Normen: ASTM D3578 fordert für Latex-Untersuchungshandschuhe eine Bruchdehnung von mindestens 650 % vor Alterung, ASTM D6319 für Nitril mindestens 500 %.
- Für PSA-Schutzhandschuhe ist die Dehnung kein eigener Leistungsparameter; dort zählen die Kennwerte aus EN 388.
Praxisbedeutung: Eine hohe Reißdehnung bedeutet, dass sich der Handschuh stark verformen kann, bevor er versagt. Das verbessert Passform und Tragekomfort und verringert das Risiko eines schlagartigen Durchreißens bei plötzlicher Belastung. Kraft beim Bruch und Reißdehnung werden immer gemeinsam bewertet: ein Material mit hoher Bruchkraft, aber geringer Dehnung reißt bei ruckartiger Beanspruchung eher als ein dehnfähigeres.
Häufige Fragen
Schreibt EN 455-2 eine Mindest-Reißdehnung vor?
Nein. EN 455-2 normiert Abmessungen und die Kraft beim Bruch, nicht die Reißdehnung. Wer Dehnungswerte als Anforderung benötigt, muss auf ASTM-Normen zurückgreifen: ASTM D3578 fordert für Latex-Untersuchungshandschuhe mindestens 650 %, ASTM D6319 für Nitril mindestens 500 % vor Alterung.
Wie wird die Reißdehnung gemessen?
Im Zugversuch nach ISO 37: Ein genormter Probekörper wird bis zum Bruch gedehnt. Die Reißdehnung ist die prozentuale Längenzunahme bezogen auf die ursprüngliche Messlänge im Moment des Bruchs. Gemessen wird gemeinsam mit der Kraft beim Bruch.
Warum werden Bruchkraft und Reißdehnung zusammen bewertet?
Beide Kennwerte beschreiben unterschiedliche Aspekte der Belastbarkeit. Ein Handschuh mit hoher Bruchkraft, aber geringer Dehnung versagt bei ruckartiger Belastung schneller als ein dehnfähigeres Material. Erst die Kombination beider Werte beschreibt das mechanische Verhalten vollständig.