Simulanzlösungen
Simulanzlösungen (englisch: food simulants) sind normierte Prüfmedien, die bei Migrationsversuchen für Lebensmittelkontaktmaterialien eingesetzt werden. Sie simulieren das Extraktionsvermogen verschiedener Lebensmittelkategorien, ohne reale Lebensmittel zu verwenden.
Gemäß EU-Verordnung (EU) Nr. 10/2011 (Kunststoffe in Lebensmittelkontakt) werden vier Standardsimulanzlösungen definiert:
- Simulanzlösung A: Ethanol 10 % - für wässrige Lebensmittel
- Simulanzlösung B: Essigsäure 3 % - für saure Lebensmittel (pH < 4,5)
- Simulanzlösung C: Ethanol 20 % - für alkoholhaltige Lebensmittel
- Simulanzlösung D1: Ethanol 50 % - für fetthaltige Lebensmittel mit erhöhtem Alkoholgehalt
- Simulanz D2: pflanzliches Öl - für fetthaltige Lebensmittel
- Simulanz E: Tenax (modifiziertes Polyphenylenoxid) - für trockene Lebensmittel
Anwendung bei Handschuhen: Vinyl- (PVC), Nitril- und PE-Handschuhe, die für den Lebensmittelkontakt bestimmt sind, werden mit den relevanten Simulanzlösungen geprüft. Das Material wird für eine definierte Zeit und Temperatur mit der Simulanzlösung in Kontakt gebracht und die Migration von Inhaltsstoffen gemessen.
Grenzwerte: Die VO (EU) 10/2011 legt spezifische Migrationsgrenzwerte (SML) und Gesamtmigrationsgrenzwerte (OML = 10 mg/dm2) fest.
Häufige Fragen
Welche Simulanzlösung wird für saure Lebensmittel verwendet?
Für saure Lebensmittel (pH < 4,5) wird Simulanzlösung B (Essigsäure 3 %) verwendet. Typische Anwendungsbeispiele: Gurkenkonserven, Tomatensaucen, Fruchtsafte.
Warum werden Simulanzlösungen anstelle echter Lebensmittel verwendet?
Echte Lebensmittel haben variable Zusammensetzungen, die Prüfergebnisse schwer reproduzierbar machen. Simulanzlösungen sind standardisiert, reproduzierbar und können für verschiedene Lebensmittelkategorien systematisch eingesetzt werden.
Gibt es Simulanzlösungen für Fleisch und tierische Produkte?
Für fetthaltige Lebensmittel wird Simulanz D2 (pflanzliches Öl) verwendet. Für wässrig-protein-haltige Lebensmittel wie Fleisch gilt primär Simulanzlösung A.