Long COVID und das Mikrobiom
Eine große britische Studie hat im Oktober 2026 für Schlagzeilen gesorgt: Menschen mit besonders schwerem Long COVID tragen offenbar eine deutlich veränderte Bakteriengemeinschaft in Mund und Lunge. Ist das der lang erhoffte Durchbruch? In diesem Beitrag ordnen wir die Ergebnisse ein, erklären, was das Mikrobiom überhaupt ist, fassen den aktuellen Forschungsstand zu Long COVID zusammen und zeigen, was Betroffene und Angehörige heute schon wissen sollten.
Inhalt
- Das Wichtigste auf einen Blick
- Was ist Long COVID eigentlich?
- Long COVID Symptome: das breite Spektrum
- Die neue Studie: Mund- und Lungenbakterien im Fokus
- Exkurs: Was ist das Mikrobiom – und warum zählt es?
- Die Rolle der Milchsäurebakterien
- Durchbruch oder Puzzlestück? Eine ehrliche Einordnung
- Was frühere Studien zum Mikrobiom gezeigt haben
- Die großen Erklärungsansätze für Long COVID
- Long COVID Behandlung: Was es heute gibt
- Forschung 2026: Welche Studien laufen
- Long COVID in Deutschland: Zahlen und Kosten
- Vorbeugen: Warum jede vermiedene Infektion zählt
- Long COVID am Arbeitsplatz und in Pflege und Praxis
- Häufige Fragen zu Long COVID
- Fazit
- Quellen
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie nach einer Corona-Infektion anhaltende Beschwerden haben, wenden Sie sich bitte an Ihre Hausarztpraxis oder eine spezialisierte Post-COVID-Ambulanz.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Forschende um James Chalmers von der University of Dundee haben im Rahmen der britischen Großstudie PHOSP-COVID Speichel- und Sputumproben von 771 Erwachsenen untersucht. Alle waren zwischen Februar 2020 und März 2021 in einem von 83 britischen Krankenhäusern wegen COVID-19 behandelt worden.[1][2]
- Sechs Monate nach der Entlassung zeigte sich: Wer die schwersten Long-COVID-Beschwerden hatte, wies deutlich veränderte Bakteriengemeinschaften in Mund und Lunge auf – mit geringerer Vielfalt im Mund.[1][2]
- Verschiedene Beschwerdebilder – etwa Brain Fog, eingeschränkte Lungenfunktion oder Magen-Darm-Probleme – waren mit jeweils eigenen Mikrobiom-Mustern verbunden.
- Milchsäurebildende Bakterien waren bei Menschen mit anhaltenden Symptomen überrepräsentiert und hingen mit Entzündungswerten im Blut zusammen.[2]
- Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Ob die Bakterien Long COVID mitauslösen oder eine Folge der Erkrankung sind, ist offen. Eine Therapie lässt sich daraus noch nicht ableiten.[1][3]
- Trotzdem ist der Befund ein wichtiges Puzzlestück: Er liefert eine messbare biologische Spur und könnte künftig helfen, schwere Verläufe früher zu erkennen und neue Behandlungsansätze zu testen.
Was ist Long COVID eigentlich?
Long COVID ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für gesundheitliche Beschwerden, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 bestehen bleiben, neu auftreten oder wiederkehren. Manche Betroffene erholen sich nach der akuten Erkrankung zunächst, bevor Wochen später Erschöpfung, Atemnot oder Konzentrationsprobleme einsetzen. Andere kommen nach der Infektion schlicht nicht mehr richtig auf die Beine.
Im deutschsprachigen Raum werden meist zwei Begriffe unterschieden, die sich an der Leitlinie der medizinischen Fachgesellschaften orientieren:
- Long COVID bezeichnet Beschwerden, die länger als vier Wochen nach Beginn der Infektion andauern.
- Post-COVID-Syndrom meint Beschwerden, die mehr als zwölf Wochen nach der Infektion noch vorhanden sind oder neu hinzukommen und sich nicht anders erklären lassen.[11]
Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von einer Post-COVID-19-Erkrankung, wenn Symptome in der Regel drei Monate nach einer wahrscheinlichen oder bestätigten Infektion bestehen, mindestens zwei Monate anhalten und nicht durch eine andere Diagnose erklärt werden können.[12] Im Alltag – und in der Google-Suche – hat sich jedoch „Long COVID“ als Oberbegriff durchgesetzt. Allein in Deutschland wird der Begriff nach Daten des SEO-Tools SISTRIX rund 28.000 Mal pro Monat gesucht, „Long COVID Symptome“ noch einmal gut 12.000 Mal. Das zeigt: Das Thema beschäftigt sehr viele Menschen, auch mehr als sechs Jahre nach Beginn der Pandemie.
Wichtig ist: Long COVID kann jeden treffen. Zwar ist das Risiko nach schweren, krankenhauspflichtigen Verläufen höher, doch auch viele Menschen mit ursprünglich mildem Verlauf entwickeln anhaltende Beschwerden. Frauen sind in den meisten Untersuchungen häufiger betroffen als Männer, und besonders oft trifft es Menschen im mittleren Erwerbsalter. Auch Kinder und Jugendliche können erkranken, wenn auch seltener.
Long COVID und ME/CFS
Ein Teil der Betroffenen entwickelt ein Krankheitsbild, das die Kriterien der Myalgischen Enzephalomyelitis / des Chronischen Fatigue-Syndroms (ME/CFS) erfüllt. ME/CFS ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die schon lange vor COVID-19 bekannt war und häufig nach Virusinfektionen auftritt, etwa nach dem Pfeifferschen Drüsenfieber. Ihr Leitsymptom ist die sogenannte Post-Exertionelle Malaise (PEM): eine deutliche Verschlechterung aller Beschwerden nach bereits geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung, oft zeitverzögert um Stunden oder einen Tag. Für Betroffene bedeutet das: Was früher ein Spaziergang war, kann heute tagelange Bettlägerigkeit nach sich ziehen.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich daraus Konsequenzen für die Behandlung ergeben. Während bei manchen Long-COVID-Formen ein vorsichtig gesteigertes Training helfen kann, kann eine klassische Aktivierungstherapie bei ME/CFS und PEM den Zustand verschlechtern. Mehr dazu im Abschnitt zur Behandlung.
Long COVID Symptome: das breite Spektrum
Mehr als 200 verschiedene Symptome wurden im Zusammenhang mit Long COVID beschrieben.[12] Das macht die Diagnose schwierig, denn es gibt bislang keinen einzelnen Bluttest, der Long COVID sicher nachweist. Ärztinnen und Ärzte stellen die Diagnose anhand der Krankengeschichte, der Beschwerden und durch Ausschluss anderer Ursachen. Die häufigsten Beschwerden lassen sich grob in Gruppen einteilen.
Erschöpfung und Belastungsintoleranz
Fatigue – eine krankhafte, durch Schlaf nicht behebbare Erschöpfung – ist das am häufigsten genannte Symptom. Viele Betroffene beschreiben sie als völlig anders als normale Müdigkeit: als würde der Akku nur noch für wenige Stunden reichen. Hinzu kommt bei einem Teil der Patientinnen und Patienten die bereits erwähnte Belastungsintoleranz mit PEM.
Atemwege und Lunge
Kurzatmigkeit, Atemnot bei Belastung, anhaltender Husten und ein Engegefühl in der Brust zählen zu den typischen Beschwerden – besonders nach schweren Verläufen mit Lungenentzündung. In Lungenfunktionstests zeigen sich teils messbare Einschränkungen, etwa eine verminderte Fähigkeit der Lunge, Sauerstoff ins Blut aufzunehmen. Genau diese Gruppe hatte in der neuen britischen Studie auch die auffälligsten Veränderungen im Mund-Mikrobiom.
Brain Fog und neurokognitive Symptome
„Gehirnnebel“ oder Brain Fog beschreibt Konzentrationsstörungen, Wortfindungsprobleme, Vergesslichkeit und ein verlangsamtes Denken. Für viele Berufstätige ist dieses Symptom besonders belastend, weil es die Arbeitsfähigkeit unmittelbar einschränkt. Hinzu kommen Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel und Empfindungsstörungen wie Kribbeln in Armen und Beinen.
Herz und Kreislauf
Herzrasen, Herzstolpern und Kreislaufprobleme beim Aufstehen sind ebenfalls häufig. Ein Teil der Betroffenen entwickelt ein Posturales Tachykardiesyndrom (POTS), bei dem der Puls beim Wechsel vom Liegen zum Stehen übermäßig ansteigt. Das kann zu Schwindel, Benommenheit und Ohnmachtsneigung führen.
Magen und Darm
Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Appetitlosigkeit werden in der Diskussion um Long COVID oft übersehen, sind aber für viele Betroffene ein relevantes Problem. Spannend: In der neuen Studie waren gerade diese Magen-Darm-Beschwerden mit einem eigenen Bakterienprofil im Lungensekret verbunden – ein Hinweis darauf, dass die verschiedenen Organsysteme enger miteinander kommunizieren, als man lange dachte.
Weitere Beschwerden
Außerdem werden Geruchs- und Geschmacksstörungen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Haarausfall, Hautveränderungen, depressive Verstimmungen und Angstzustände beschrieben. Psychische Beschwerden sind dabei häufig eine Folge der massiven Einschränkungen im Alltag und nicht etwa die Ursache der körperlichen Symptome – ein Missverständnis, mit dem viele Betroffene im Gesundheitssystem nach wie vor kämpfen.
Wann sollten Sie zum Arzt? Wenn Beschwerden nach einer Corona-Infektion länger als vier Wochen anhalten, Ihren Alltag einschränken oder sich nach Belastung deutlich verschlimmern, sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis an. Bei akuter Atemnot, Brustschmerzen oder Ohnmacht wählen Sie den Notruf 112.
Die neue Studie: Mund- und Lungenbakterien im Fokus
Am 12. Oktober 2026 berichtete das Center for Infectious Disease Research and Policy (CIDRAP) der University of Minnesota[1] über eine Studie im European Respiratory Journal (ERJ), der Fachzeitschrift der European Respiratory Society (ERS). Die Arbeit ist dort in der sogenannten „Early View“ erschienen, also als begutachtetes und angenommenes Manuskript vor dem finalen Satz. Den Anstoß für die breite Berichterstattung gab eine Pressemitteilung der ERS.[3] Der Titel der Arbeit lautet sinngemäß: „Bakterienprofile in Sputum und Mundraum hängen mit Schweregrad und Ausprägung von Long COVID nach Krankenhausaufenthalt zusammen“. Erstautorin ist Daniela Alferes de Lima Headley, die Studie wurde von James Chalmers geleitet, Professor für Atemwegsmedizin an der University of Dundee in Schottland.[2][4]
Wer wurde untersucht?
Die Daten stammen aus PHOSP-COVID, einer der größten Langzeitstudien zu den Folgen von COVID-19 weltweit. Sie begleitet Menschen, die wegen einer Corona-Infektion stationär behandelt werden mussten. Für die Mikrobiom-Auswertung wurden 771 Erwachsene einbezogen, die zwischen Februar 2020 und März 2021 aus einem von 83 britischen Krankenhäusern entlassen worden waren. Das Durchschnittsalter lag bei 57,5 Jahren, 38,5 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen. Gefördert wird PHOSP-COVID vom britischen National Institute for Health and Care Research (NIHR) und von UK Research and Innovation (UKRI).[2][4]
Wichtig für die Einordnung: Alle Teilnehmenden hatten einen schweren akuten Verlauf, der eine Krankenhausaufnahme nötig machte, und sie infizierten sich in der frühen Phase der Pandemie – also mit frühen Virusvarianten und überwiegend noch vor breiter Verfügbarkeit der Impfstoffe. Ob sich die Ergebnisse auf Menschen mit mildem Verlauf, auf Infektionen mit späteren Varianten oder auf Geimpfte übertragen lassen, beantwortet die Studie nicht.
Wie gingen die Forschenden vor?
Etwa fünf Monate nach der Entlassung wurden die Teilnehmenden anhand ihrer körperlichen, psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen in vier sogenannte Schweregrad-Cluster eingeteilt, die PHOSP-COVID bereits zuvor beschrieben hatte[2][4]:
- Sehr schwer: starke körperliche, psychische und kognitive Einschränkungen
- Schwer: starke körperliche und psychische Einschränkungen, aber ohne kognitive Probleme
- Moderat: überwiegend kognitive Schwierigkeiten
- Mild: wenige Beschwerden, gute Erholung
Rund sechs Monate nach der Entlassung gaben die Teilnehmenden eine Speichelprobe (Mundspülung) und eine Sputumprobe ab, also abgehustetes Sekret aus den unteren Atemwegen. Mit Hilfe der 16S-rRNA-Gensequenzierung – einem Standardverfahren, mit dem sich anhand eines bestimmten Genabschnitts bestimmen lässt, welche Bakterien in einer Probe vorkommen – analysierten die Forschenden die Zusammensetzung und Vielfalt der Bakteriengemeinschaften. Parallel füllten die Teilnehmenden Symptomfragebögen aus, und es wurden Entzündungsproteine im Blut gemessen. Mit Netzwerkanalysen suchten die Forschenden nach Bakteriengruppen, die in der Gemeinschaft eine besonders einflussreiche Rolle spielen – sogenannte Schlüsseltaxa.[2]
Was kam heraus?
Die zentralen Ergebnisse lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:
- Weniger Vielfalt bei schwerstem Long COVID: Der Cluster „sehr schwer“, in dem die Erkrankung laut Studie überwiegend die Lunge betraf, war mit einem eigenen Mikrobiom-Profil verbunden. In dieser Gruppe war das Mund-Mikrobiom sechs Monate nach der Entlassung deutlich weniger vielfältig als in der Gruppe mit milden Symptomen. In dieser Gruppe traten auch Atemnot, Erschöpfung, eingeschränkte Lungenfunktion und verminderte Belastbarkeit am häufigsten auf.
- Eigene Muster für einzelne Symptome: Eine eingeschränkte Lungenfunktion und neurokognitive Symptome wie Brain Fog waren jeweils mit eigenen, unterscheidbaren Bakterienprofilen im Mund verbunden. Magen-Darm-Beschwerden hingen dagegen mit einem bestimmten Profil im Lungensekret zusammen.
- Mehr Milchsäurebakterien: Bei Menschen mit anhaltenden Beschwerden waren milchsäurebildende Bakterien überrepräsentiert. Ihre Häufigkeit korrelierte mit erhöhten Entzündungswerten im Blut und mit schlechteren gesundheitlichen Ergebnissen.
- Lungensekret weniger eindeutig: Die Sputum-Analysen zeigten ähnliche Tendenzen, die Zusammensetzung unterschied sich dort aber nicht deutlich nach Schweregrad.[1][2]
Studienleiter James Chalmers fasste die Ergebnisse in einer Pressemitteilung der ERS so zusammen: Menschen mit den schwersten Beschwerden fünf bis sechs Monate nach der Infektion hätten große Veränderungen im Mikrobiom von Mund und Lunge gehabt. Außerdem seien Veränderungen im Atemwegs-Mikrobiom nicht nur mit Lungenproblemen, sondern auch mit Brain Fog und Magen-Darm-Beschwerden verknüpft gewesen. Das deute darauf hin, dass das Lungenmikrobiom die Gesundheit auch darüber hinaus beeinflussen könnte.[1][3]
Die Autorinnen und Autoren schreiben in ihrer Arbeit, dass akutes COVID-19 eine Lungenerkrankung sei und die Infektion bekanntermaßen die Bakterien in Mund und Atemwegen verändere. Diese Bakteriengemeinschaften seien nicht isoliert, sondern stünden über Kommunikationswege wie die Darm-Lungen-Achse und die Mund-Gehirn-Achse mit anderen Organsystemen in Verbindung.[1]
Exkurs: Was ist das Mikrobiom – und warum zählt es?
Um die Bedeutung der Studie zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf das Mikrobiom. Als Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit aller Mikroorganismen – Bakterien, Viren, Pilze und andere Kleinstlebewesen –, die einen bestimmten Lebensraum besiedeln, sowie deren Erbgut. Der menschliche Körper beherbergt Billionen solcher Mikroben, die meisten davon im Darm. Doch auch Haut, Mund, Nase, Rachen, Lunge und Genitaltrakt haben jeweils eigene, typische Gemeinschaften.
Das Mund-Mikrobiom
Die Mundhöhle ist nach dem Darm einer der am dichtesten besiedelten Orte des Körpers. Hunderte Bakterienarten leben auf Zähnen, Zunge, Zahnfleisch und Schleimhäuten. Ein gesundes, vielfältiges Mund-Mikrobiom ist ein Zeichen für ein stabiles Gleichgewicht: Die verschiedenen Arten halten sich gegenseitig in Schach, und potenziell schädliche Keime können sich schlechter ausbreiten. Gerät das Gleichgewicht aus den Fugen – Fachleute sprechen von einer Dysbiose –, wird das mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht, von Karies und Parodontitis bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Das Lungen-Mikrobiom
Lange galt die gesunde Lunge als steril. Erst moderne Sequenzierverfahren haben gezeigt, dass auch die unteren Atemwege eine – wenn auch dünne – Bakteriengemeinschaft beherbergen. Sie stammt zu einem großen Teil aus dem Mund- und Rachenraum: Mit jedem Atemzug und durch unbemerktes Einatmen kleinster Speichelmengen gelangen Mikroben in die Lunge und werden dort normalerweise schnell wieder abtransportiert. Das erklärt auch, warum sich Mund- und Lungen-Mikrobiom ähneln und warum Forschende beide gemeinsam untersuchen. Bei chronischen Lungenerkrankungen wie COPD, Asthma oder Bronchiektasen – einem Forschungsschwerpunkt von James Chalmers – ist eine veränderte Lungenflora seit Jahren ein wichtiges Thema.
Die Achsen zwischen den Organen
Ein Grund, warum Mikrobiom-Forschung so viel Aufmerksamkeit bekommt, sind die sogenannten Achsen zwischen Organen. Mikroben produzieren Stoffwechselprodukte, die über das Blut im ganzen Körper wirken können. Sie beeinflussen das Immunsystem, das wiederum Botenstoffe an Gehirn, Gefäße und andere Organe aussendet. So wird etwa die Darm-Hirn-Achse mit Stimmung, Stressverarbeitung und neurologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht, die Darm-Lungen-Achse mit Atemwegserkrankungen. Die neue Studie bringt zusätzlich die Mund-Hirn-Achse ins Spiel: Dass neurokognitive Beschwerden mit einem bestimmten Mund-Profil zusammenhängen, passt zu der Hypothese, dass Entzündungsprozesse, die im Mund ihren Ausgang nehmen, auch das Gehirn beeinflussen könnten.
Long COVID betrifft viele Organe zugleich. Erstautorin Daniela Alferes de Lima Headley bezeichnete das Mikrobiom deshalb als starken Kandidaten für einen Mitauslöser, und die Lunge sei ein naheliegender Ort für die Suche, weil COVID-19 zunächst eine Lungenerkrankung sei.[4]
Die Rolle der Milchsäurebakterien
Ein Ergebnis der Studie wirkt auf den ersten Blick überraschend: Ausgerechnet Milchsäurebakterien waren bei Menschen mit anhaltenden Beschwerden vermehrt zu finden. Viele kennen diese Bakteriengruppe vor allem aus Joghurt, Sauerkraut oder als Bestandteil von Probiotika – also als „gute“ Bakterien. Wie passt das zusammen?
Zunächst einmal sind Milchsäurebakterien keine einheitliche Gruppe, sondern ein Sammelbegriff für zahlreiche Bakterienarten, die Zucker zu Milchsäure vergären. Dazu gehören etwa Laktobazillen, aber auch Streptokokken, von denen manche harmlos und andere krankheitserregend sind. Welche Arten genau in der Studie vermehrt auftraten, geht aus den bisher öffentlich zugänglichen Zusammenfassungen nicht hervor.
Entscheidend ist der Kontext: Ob ein Bakterium nützlich oder problematisch ist, hängt stark davon ab, wo es lebt und in welcher Menge. Im Darm können Milchsäurebakterien positive Effekte haben. Im Mund dagegen wird eine starke Milchsäureproduktion zum Beispiel mit Karies in Verbindung gebracht, weil die Säure den Zahnschmelz angreift. Und in einer aus dem Gleichgewicht geratenen Gemeinschaft kann die Dominanz einzelner Gruppen ein Zeichen dafür sein, dass die normale Vielfalt verloren gegangen ist.
Die Forschenden fanden zudem einen Zusammenhang zwischen der Menge dieser Bakterien und Entzündungsproteinen im Blut. Sie vermuten daher, dass milchsäurebildende Bakterien und die Immunantwort des Körpers bei schweren Long-COVID-Verläufen zusammenspielen könnten.[2] Denkbar ist aber auch der umgekehrte Weg: Eine anhaltende Entzündung im Körper könnte die Bedingungen in Mund und Atemwegen so verändern, dass bestimmte Bakterien einen Vorteil haben. Auch Medikamente, veränderte Ernährung, Mundtrockenheit oder eine eingeschränkte Mundhygiene bei schwer erschöpften Menschen könnten eine Rolle spielen.
Bitte keine Selbstversuche: Aus der Studie lässt sich nicht ableiten, dass Betroffene Probiotika meiden, einnehmen oder Antibiotika verlangen sollten. Jede Veränderung der Behandlung gehört in ärztliche Hände.
Durchbruch oder Puzzlestück? Eine ehrliche Einordnung
In sozialen Medien und manchen Schlagzeilen war schnell vom „Durchbruch in der Long-COVID-Forschung“ die Rede. Das ist verständlich, denn Betroffene warten seit Jahren auf gute Nachrichten. Ein genauer Blick zeigt aber: Die Studie ist ein wichtiger und solider Baustein, aber kein Durchbruch im Sinne einer Ursache oder gar einer Therapie. Warum das so ist, erklären wir an fünf Punkten.
1. Zusammenhang ist nicht Ursache
Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt, dass bestimmte Bakterienprofile und bestimmte Beschwerden gemeinsam auftreten. Ob die veränderte Bakterienwelt Long COVID mitverursacht, ob sie eine Folge der Erkrankung ist oder ob beides auf einen dritten Faktor zurückgeht, lässt sich damit nicht entscheiden. Die Forschenden betonen das selbst ausdrücklich.[1][4]
2. Es fehlt der Vorher-Wert
Die Proben wurden erst sechs Monate nach der Entlassung genommen. Wie das Mikrobiom der Teilnehmenden vor der Infektion aussah, ist unbekannt. Es ist also denkbar, dass Menschen mit einem ohnehin weniger vielfältigen Mund-Mikrobiom – etwa wegen Vorerkrankungen, Rauchen oder Zahnproblemen – sowohl schwerer an COVID-19 erkrankten als auch schlechter genesen. Auch die Behandlung im Krankenhaus selbst, etwa mit Antibiotika, Sauerstoff oder Beatmung, verändert die Bakterienwelt nachweislich.
3. Nur eine Momentaufnahme
Ob sich das Mikrobiom im Laufe der Zeit wieder erholt und ob sich die Beschwerden dann parallel bessern, wurde bislang nicht untersucht.[1] Genau diese Verlaufsdaten wären aber entscheidend, um einen ursächlichen Zusammenhang wahrscheinlicher zu machen.
4. Eine spezielle Gruppe
Untersucht wurden ausschließlich Menschen, die in der ersten Pandemiephase im Krankenhaus behandelt wurden. Die Mehrheit der Long-COVID-Betroffenen heute hatte jedoch einen milden akuten Verlauf, war geimpft und hat sich mit späteren Virusvarianten infiziert. Ob das Muster auch für diese Menschen gilt, ist offen.
5. Transparenz bei Interessenkonflikten
Wie in der Medizin üblich, legen die Autorinnen und Autoren ihre Interessenkonflikte offen. Viele haben Forschungsgelder oder Beraterhonorare aus der Pharmaindustrie erhalten, was bei großen klinischen Forschungsverbünden nicht ungewöhnlich ist. Studienleiter James Chalmers ist zudem Chefredakteur des European Respiratory Journal.[2] Das stellt die Ergebnisse nicht infrage, gehört aber zu einer vollständigen Einordnung dazu.
Warum die Studie trotzdem wichtig ist
Bei aller gebotenen Vorsicht ist die Arbeit aus mehreren Gründen bedeutsam. Erstens ist sie mit 771 Teilnehmenden für eine Mikrobiom-Studie groß – viele frühere Arbeiten zum Thema hatten nur einige Dutzend Patientinnen und Patienten. Zweitens stammt sie aus einer gut charakterisierten Kohorte mit vielen klinischen Daten, Lungenfunktionstests und Blutwerten. Drittens untersucht sie erstmals in diesem Umfang Mund und Lunge gemeinsam und verknüpft die Bakterienprofile mit konkreten Beschwerdebildern. Und viertens liefert sie eine biologisch plausible Brücke zu Entzündungsprozessen, die in der Long-COVID-Forschung ohnehin im Zentrum stehen.
Raquel Duarte, Leiterin der Fachgruppe für Infektionskrankheiten der European Respiratory Society an der Universität Porto, die nicht an der Studie beteiligt war, brachte es auf den Punkt: Sechs Jahre nach Beginn der Pandemie verstehe man noch immer nicht vollständig, warum manche Menschen Long COVID entwickeln und wie man ihre Genesung am besten unterstützt. Wenn sich die gefundenen Zusammenhänge bestätigen, könnten sie helfen, neue Wege zu finden, um die am stärksten beeinträchtigenden Formen von Long COVID vorherzusagen, zu verhindern oder zu behandeln.[1][3]
Unser Fazit für diesen Abschnitt: Kein Durchbruch, aber eine vielversprechende neue Spur. Und eine, die sich gut weiterverfolgen lässt, denn Speichelproben sind einfach, schmerzfrei und kostengünstig zu gewinnen.
Was frühere Studien zum Mikrobiom gezeigt haben
Die britische Studie steht nicht allein. Seit 2021 haben mehrere Forschungsgruppen Hinweise darauf gefunden, dass Mikroben bei Long COVID eine Rolle spielen könnten. Ein Überblick über einige wichtige Arbeiten zeigt, wie sich das Bild nach und nach zusammensetzt.
Zungenabstriche aus Massachusetts (2021)
Eine der ersten Studien zum Mund-Mikrobiom bei Long COVID erschien im Oktober 2021 in der Fachzeitschrift JCI Insight. Ein Team um John Haran von der University of Massachusetts untersuchte Zungenabstriche von Patientinnen und Patienten, die wegen COVID-19 in die Notaufnahme kamen. Die Gruppe war mit 27 nachverfolgten Personen sehr klein. Dennoch zeigte sich: Wer später anhaltende Beschwerden entwickelte, hatte schon bei der Aufnahme mehr entzündungsfördernde Bakterien im Mund, darunter Gattungen wie Prevotella und Veillonella, die Lipopolysaccharide (LPS) bilden – Bestandteile der Bakterienzellwand, die starke Immunreaktionen auslösen können. Das Profil ähnelte dem, das zuvor bei ME/CFS beschrieben worden war. Die Autoren selbst bezeichneten ihre Befunde als Hypothese, die bestätigt werden müsse.[5]
Darm-Mikrobiom aus Hongkong (2022)
Forschende der Chinese University of Hong Kong um Siew Ng verfolgten über sechs Monate das Darm-Mikrobiom von Menschen nach COVID-19. In der 2022 in der Fachzeitschrift Gut veröffentlichten Arbeit fanden sie, dass Personen, die später ein Post-COVID-Syndrom entwickelten, bereits bei der Klinikaufnahme eine weniger vielfältige Darmflora mit weniger nützlichen, Butyrat bildenden Bakterien hatten. Butyrat ist eine kurzkettige Fettsäure, die die Darmschleimhaut stärkt und entzündungshemmend wirkt.[6]
Die erste Interventionsstudie: SIM01 (2024)
Dieselbe Forschungsgruppe ging einen Schritt weiter und testete in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie ein sogenanntes Synbiotikum – eine Kombination aus Bakterienstämmen und Ballaststoffen, die deren Wachstum fördern. Die Ergebnisse erschienen 2024 in The Lancet Infectious Diseases. Bei 463 Teilnehmenden in Hongkong berichteten jene, die das Präparat sechs Monate lang einnahmen, häufiger über eine Besserung einzelner Beschwerden wie Erschöpfung, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen sowie Magen-Darm-Beschwerden als die Placebogruppe.[7] Die Studie gilt als wichtiger Beleg dafür, dass ein Eingriff ins Mikrobiom grundsätzlich ein Ansatzpunkt sein könnte. Sie bezog sich aber auf ein bestimmtes, speziell entwickeltes Präparat und auf den Darm, nicht auf Mund oder Lunge. Weitere unabhängige Bestätigungen stehen aus, und die Ergebnisse lassen sich nicht auf handelsübliche Probiotika übertragen.
Was die neue Studie hinzufügt
Die PHOSP-COVID-Auswertung erweitert diesen Forschungsstrang in zwei Richtungen: Sie richtet den Blick auf Mund und Lunge statt nur auf den Darm, und sie zeigt, dass unterschiedliche Beschwerdebilder mit unterschiedlichen Bakterienprofilen einhergehen. Das passt zu einer Erkenntnis, die sich in der Long-COVID-Forschung immer mehr durchsetzt: Long COVID ist vermutlich nicht eine Krankheit, sondern mehrere Untertypen mit teils unterschiedlichen Mechanismen. Wer die Untertypen besser unterscheiden kann, kann Studien gezielter planen und Behandlungen passgenauer testen.
Die großen Erklärungsansätze für Long COVID
Das Mikrobiom ist nur einer von mehreren Erklärungsansätzen, die Forschende derzeit verfolgen. Sie schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern greifen vermutlich ineinander. Ein Überblick über die wichtigsten Hypothesen:
Viruspersistenz
Bei einem Teil der Betroffenen scheinen Reste des Virus – Erbgut oder Eiweiße – über Monate im Körper zu verbleiben, etwa im Darmgewebe, in Lymphknoten oder anderen Organen. Diese „Virusreservoirs“ könnten das Immunsystem dauerhaft beschäftigen. Erste Ergebnisse der großen US-Autopsiestudie des RECOVER-Programms, vorgestellt im März 2026, deuteten darauf hin, dass SARS-CoV-2 bei einer Gruppe von Verstorbenen noch mehr als 60 Tage nach der Infektion im Herzgewebe aktiv war. Diese Gruppe wies häufiger Immun- und Herzveränderungen auf.[8]
Fehlgeleitetes Immunsystem und Autoimmunität
Viele Studien finden bei Long-COVID-Betroffenen Hinweise auf ein dauerhaft aktiviertes oder fehlreguliertes Immunsystem, etwa veränderte Immunzellen, erhöhte Entzündungsbotenstoffe oder Autoantikörper, die sich gegen körpereigene Strukturen richten. Hier gibt es eine direkte Verbindung zur neuen Studie: Die Milchsäurebakterien korrelierten mit Entzündungsproteinen im Blut.
Reaktivierung anderer Viren
Fast alle Erwachsenen tragen nach einer früheren Infektion schlummernde Herpesviren in sich, etwa das Epstein-Barr-Virus. Mehrere Studien legen nahe, dass diese Viren bei manchen Menschen im Zuge einer Corona-Infektion reaktiviert werden und so zu anhaltenden Beschwerden beitragen.
Gefäße, Blutgerinnung und Sauerstoffversorgung
SARS-CoV-2 kann die Innenwand der Blutgefäße schädigen. Diskutiert werden kleinste Gerinnsel („Mikroclots“), eine gestörte Durchblutung feinster Gefäße und dadurch eine schlechtere Sauerstoffversorgung von Muskeln und Gehirn. Auch eine gestörte Funktion der Mitochondrien, der Kraftwerke der Zellen, steht im Verdacht, zur Erschöpfung beizutragen.
Störungen des autonomen Nervensystems
Das autonome Nervensystem steuert unbewusste Körperfunktionen wie Puls, Blutdruck und Verdauung. Ist es gestört, kann das Herzrasen, Kreislaufprobleme und Magen-Darm-Beschwerden erklären – etwa beim bereits erwähnten POTS.
Organschäden
Nach schweren Verläufen können direkte Schäden an Lunge, Herz oder anderen Organen zurückbleiben. Gerade in der PHOSP-COVID-Kohorte mit ihren krankenhauspflichtigen Verläufen spielt dieser Faktor eine große Rolle – und passt dazu, dass der Cluster „sehr schwer“ überwiegend pulmonal geprägt war.
Das Mikrobiom könnte in dieses Gefüge auf mehreren Wegen eingreifen: als Quelle entzündungsfördernder Signale, als Verstärker eines fehlregulierten Immunsystems oder schlicht als Spiegel dafür, wie stark der Körper insgesamt aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Long COVID Behandlung: Was es heute gibt
Die ehrliche Antwort vorweg: Eine zugelassene, ursächliche Therapie gegen Long COVID gibt es Stand Oktober 2026 nicht. Die Behandlung richtet sich nach den jeweiligen Beschwerden und zielt darauf ab, Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und eine Verschlechterung zu vermeiden. Dennoch gibt es einiges, was Betroffenen heute schon helfen kann.
Erste Anlaufstelle: die Hausarztpraxis
Die Hausarztpraxis ist in Deutschland die erste Anlaufstelle. Sie kann andere Ursachen der Beschwerden ausschließen – etwa eine Blutarmut, eine Schilddrüsenerkrankung oder eine Herzerkrankung –, eine Grundversorgung sicherstellen und bei Bedarf an Fachärztinnen und Fachärzte oder spezialisierte Post-COVID-Ambulanzen überweisen. Orientierung gibt die Leitlinie „Long/Post-COVID“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).[11]
Pacing: Energie einteilen statt überfordern
Für Menschen mit Belastungsintoleranz und PEM ist Pacing eine der wichtigsten Strategien. Gemeint ist ein bewusstes Energiemanagement: Aktivitäten werden so geplant und dosiert, dass die persönliche Belastungsgrenze nicht überschritten wird. Hilfsmittel wie Tagebücher, Pulsuhren oder feste Ruhepausen können dabei unterstützen. Ziel ist es, sogenannte Crashs zu vermeiden, die den Zustand langfristig verschlechtern können.
Rehabilitation – aber angepasst
Für viele Betroffene ohne PEM kann eine Rehabilitation hilfreich sein, etwa mit Atemtherapie, angepasstem Ausdauer- und Krafttraining, Ergotherapie oder kognitivem Training gegen Brain Fog. Entscheidend ist, dass die Reha auf das jeweilige Beschwerdebild zugeschnitten ist. Bei Menschen mit ME/CFS oder ausgeprägter PEM kann ein klassisches Training mit stetig steigender Belastung schaden. Eine gute Reha-Einrichtung prüft das vorab.
Symptombezogene Medikamente
Je nach Beschwerde können Ärztinnen und Ärzte Medikamente einsetzen, die für andere Erkrankungen zugelassen sind und bestimmte Symptome lindern – etwa gegen Herzrasen bei POTS, gegen Schlafstörungen oder Schmerzen. In Deutschland hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Expertengruppe eingerichtet, die bewertet, welche Arzneimittel außerhalb ihrer Zulassung („Off-Label“) bei Long COVID eingesetzt werden können.[13] Die Entscheidung über eine solche Behandlung trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gemeinsam mit den Betroffenen.
Was nicht empfohlen ist
Rund um Long COVID kursieren zahlreiche teure Angebote mit großen Versprechen, von Blutwäsche über Nahrungsergänzungsmittel bis hin zu fragwürdigen Infusionen. Für die meisten dieser Verfahren gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege. Seien Sie skeptisch, wenn ein Anbieter eine Heilung verspricht, und sprechen Sie solche Angebote vor einer Entscheidung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt durch.
Und das Mikrobiom?
Studienleiter James Chalmers sieht in seinen Ergebnissen einen möglichen künftigen Ansatz: Das Mikrobiom lasse sich etwa durch Antibiotika, Probiotika oder andere Maßnahmen verändern. Wenn man verstehe, was die Veränderungen verursache, könne das zu besseren Behandlungen führen. Er hofft deshalb auf Behandlungsstudien.[1][4] Bis dahin gilt: Eine Mikrobiom-Therapie gegen Long COVID gibt es nicht, und eine Selbstbehandlung mit Antibiotika oder Probiotika auf eigene Faust ist nicht sinnvoll. Antibiotika können das Mikrobiom zudem zusätzlich schädigen und Resistenzen fördern.
Forschung 2026: Welche Studien laufen
Auch wenn der große Durchbruch noch aussteht, ist die Forschung zu Long COVID 2026 so breit aufgestellt wie nie zuvor. Einige Beispiele:
RECOVER in den USA
Das US-Programm RECOVER der National Institutes of Health ist eines der größten Long-COVID-Forschungsprogramme weltweit. Nach eigenen Angaben vom Juli 2026 wurden dort bislang acht klinische Studien zu 13 möglichen Behandlungen durchgeführt. Erste Ergebnisse einer Studie mit Ivabradin, einem Medikament zur Senkung der Herzfrequenz, wurden im März 2026 auf einem Kardiologenkongress vorgestellt.[8] In einer neuen Studienreihe werden unter anderem Baricitinib, ein entzündungshemmendes Medikament aus der Rheumatologie, niedrig dosiertes Naltrexon gegen Fatigue bei jungen Menschen, der Wirkstoff Semaglutid sowie eine Blockade des sogenannten Ganglion stellatum getestet. Parallel läuft eine neue Phase der Beobachtungsstudie mit rund 5.000 Erwachsenen, die sich auf neurokognitive und Herz-Lungen-Beschwerden konzentriert. Das Biobank-Repositorium umfasst nach Programmangaben rund 1,5 Millionen Bioproben.[8]
Antivirale Ansätze
Weil Viruspersistenz eine der führenden Hypothesen ist, werden auch antivirale Medikamente getestet. Bisherige Studien mit dem Wirkstoff Nirmatrelvir (in Kombination mit Ritonavir) zeigten in kontrollierten Studien keinen klaren Nutzen.[14] Eine kleine britische Studie mit 73 Teilnehmenden, die im September 2026 erschien, untersuchte das Virostatikum Remdesivir: Es erwies sich als sicher, und in explorativen Auswertungen berichteten Teilnehmende über weniger Erschöpfung und bessere Ergebnisse im Sechs-Minuten-Gehtest. Da es keine Placebogruppe gab, sind diese Ergebnisse jedoch nur ein Anlass für weitere, kontrollierte Studien.[9]
Deutschland: Nationale Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen
Auch in Deutschland tut sich etwas. Mit der Nationalen Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen sollen von 2026 bis 2036 insgesamt rund 500 Millionen Euro in die Erforschung von Long COVID, ME/CFS und verwandten Krankheitsbildern fließen.[10] Forschungsgruppen an Universitätskliniken arbeiten unter anderem an Biomarkern, Diagnostik und neuen Therapieansätzen.
Mikrobiom-Forschung als nächster Schritt
Für die Mikrobiom-Hypothese sind jetzt drei Arten von Studien entscheidend: Erstens Verlaufsstudien, die zeigen, ob sich Mikrobiom und Beschwerden gemeinsam verändern. Zweitens Studien an Menschen mit mildem Verlauf und späteren Virusvarianten. Und drittens kontrollierte Interventionsstudien, die prüfen, ob eine gezielte Veränderung des Mikrobioms die Beschwerden tatsächlich bessert. Bis Ergebnisse vorliegen, dürften noch einige Jahre vergehen.
Long COVID in Deutschland: Zahlen und Kosten
Wie viele Menschen in Deutschland aktuell an Long COVID leiden, lässt sich nur schätzen, denn es gibt kein zentrales Register und keine einheitliche Diagnose. Eine Modellrechnung des Karlsruher Risikoanalyse-Unternehmens Risklayer und der ME/CFS Research Foundation vom April 2026 geht für Ende 2025 von rund 757.000 aktiven Long-COVID-Fällen und etwa 657.000 Menschen mit ME/CFS aus – zusammen also mehr als 1,4 Millionen Betroffene.[10]
Auch die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Die Autorinnen und Autoren beziffern die volkswirtschaftlichen Kosten von Long COVID und ME/CFS für das Jahr 2025 auf rund 64,4 Milliarden Euro, was etwa 1,44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Darin enthalten sind unter anderem Produktivitätsverluste durch Arbeitsunfähigkeit, Kosten für die Gesundheitsversorgung und Pflegeleistungen. Für den Zeitraum 2020 bis 2025 summieren sich die Kosten nach dieser Schätzung auf knapp 319 Milliarden Euro. Bemerkenswert: Während die Kosten durch Long COVID seit dem Höchststand 2022 gesunken sind und sich stabilisiert haben, steigen die Kosten durch ME/CFS weiter an.[10]
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Simulation mit vielen Annahmen, nicht um gezählte Fälle. Die Größenordnung zeigt aber deutlich, dass Long COVID kein Randthema ist, sondern Gesundheitssystem, Arbeitgeber und Sozialversicherungen noch lange beschäftigen wird. Hinzu kommt: Auch 2025 haben sich nach der Modellrechnung noch mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland mit SARS-CoV-2 infiziert – jede dieser Infektionen birgt ein gewisses Risiko für Langzeitfolgen.[10]
Vorbeugen: Warum jede vermiedene Infektion zählt
Solange es keine ursächliche Therapie gibt, bleibt der wirksamste Schutz vor Long COVID, eine Infektion zu vermeiden oder zumindest ihren Verlauf abzumildern. Das gilt umso mehr, als Studien darauf hindeuten, dass auch wiederholte Infektionen jeweils ein erneutes Risiko für Langzeitfolgen mit sich bringen.[15]
Impfung
Große Beobachtungsstudien aus mehreren europäischen Ländern zeigen, dass Menschen, die gegen COVID-19 geimpft sind, seltener Long COVID entwickeln als Ungeimpfte.[16] Die Impfung verhindert nicht jede Infektion, senkt aber das Risiko schwerer Verläufe – und schwere Verläufe sind, wie auch die PHOSP-COVID-Kohorte zeigt, besonders häufig mit anhaltenden Beschwerden verbunden. Welche Auffrischimpfungen für Sie sinnvoll sind, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis; die aktuellen Empfehlungen veröffentlicht die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut.
Alltagshygiene: einfach, aber wirksam
SARS-CoV-2 wird überwiegend über Tröpfchen und Aerosole übertragen, also über die Atemluft. Daneben können Viren über Hände und Oberflächen an Mund, Nase und Augen gelangen. Bewährte Hygienemaßnahmen senken das Ansteckungsrisiko für Atemwegsinfektionen insgesamt – nicht nur für COVID-19, sondern auch für Grippe und RSV:
- Regelmäßiges Lüften verringert die Konzentration virushaltiger Aerosole in Innenräumen, besonders in Büros, Klassenzimmern und Wartebereichen.
- Gründliches Händewaschen mit Seife über mindestens 20 Sekunden, vor allem nach dem Heimkommen, vor dem Essen und nach dem Naseputzen.
- Händedesinfektion mit einem geeigneten Mittel, wenn kein Waschbecken in der Nähe ist.
- Husten- und Nies-Etikette: in die Armbeuge statt in die Hand, Einwegtaschentücher direkt entsorgen.
- Atemschutzmasken wie FFP2-Masken filtern Partikel aus der Atemluft und schützen Trägerin und Träger. Sinnvoll sind sie vor allem in Situationen mit erhöhtem Risiko: in vollen öffentlichen Verkehrsmitteln während einer Infektionswelle, bei der Pflege erkrankter Angehöriger, in Arztpraxen oder für Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe.
- Zu Hause bleiben bei Symptomen: Wer krank ist, schützt andere am besten, indem er Kontakte vermeidet.
Pflege von Erkrankten zu Hause
Wer eine an COVID-19 erkrankte Person im eigenen Haushalt versorgt, kann das eigene Risiko mit einfachen Mitteln senken: getrennte Räume und Handtücher, häufiges Lüften, eine gut sitzende Maske beim engen Kontakt und – etwa beim Umgang mit benutzten Taschentüchern, Wäsche oder bei der Körperpflege – Einweghandschuhe, die nach dem Gebrauch sofort entsorgt werden. Anschließend die Hände waschen, denn Handschuhe ersetzen die Händehygiene nicht, sondern ergänzen sie.
Und die Mundhygiene?
Nach der neuen Studie liegt die Frage nahe, ob eine gute Mundhygiene vor Long COVID schützen könnte. Dafür gibt es bislang keine Belege. Die Studie hat das nicht untersucht, und ein Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Beschwerden bedeutet nicht, dass sich die Beschwerden durch Zähneputzen oder Mundspülungen beeinflussen lassen. Unabhängig von Long COVID ist eine sorgfältige Mund- und Zahnpflege aber ohnehin sinnvoll: zweimal täglich Zähne putzen, Zahnzwischenräume reinigen und regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolle gehen. Gerade schwer erschöpfte Menschen schaffen das oft nicht mehr im gewohnten Umfang – hier können Angehörige und Pflegekräfte unterstützen.
Gut zu wissen: Hygieneprodukte wie Masken, Handschuhe oder Desinfektionsmittel können das Risiko einer Ansteckung verringern. Sie behandeln oder verhindern Long COVID nicht direkt – ihr Beitrag liegt darin, Infektionen und damit auch das Risiko möglicher Langzeitfolgen zu reduzieren.
Long COVID am Arbeitsplatz und in Pflege und Praxis
Long COVID betrifft überdurchschnittlich häufig Menschen im erwerbsfähigen Alter. Für Arbeitgeber, Personalabteilungen und Betroffene stellen sich daher ganz praktische Fragen.
Rückkehr in den Job
Nach längerer Krankheit ist in Deutschland das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) vorgesehen: Ist ein Beschäftigter innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig, muss der Arbeitgeber ein BEM anbieten. Gemeinsam wird dann geklärt, wie die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt und erhalten werden kann. Bei Long COVID bewährt sich häufig eine stufenweise Wiedereingliederung, bei der die Arbeitszeit langsam gesteigert wird – mit ausreichend Pausen und der Möglichkeit, das Tempo an die individuellen Beschwerden anzupassen. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Anteile und eine Reduzierung von Reizen wie Lärm können Menschen mit Fatigue und Brain Fog die Rückkehr erleichtern.
Besonderes Risiko im Gesundheitswesen
Beschäftigte in Krankenhäusern, Arztpraxen, Zahnarztpraxen und der Pflege haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, weil sie täglich engen Kontakt zu Erkrankten haben. Eine US-Studie mit knapp 1.500 Beschäftigten im Gesundheitswesen, die im September 2026 erschien, ergab, dass etwa jede zehnte Person nach einer Infektion über anhaltende Beschwerden berichtete.[9] Für diese Berufsgruppen ist eine konsequent umgesetzte persönliche Schutzausrüstung daher nicht nur Pflicht im Rahmen des Arbeitsschutzes, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur eigenen Gesundheit. Dazu gehören je nach Tätigkeit Atemschutzmasken, medizinische Einmalhandschuhe, Schutzkittel und Augenschutz. In Deutschland kann eine COVID-19-Erkrankung bei Beschäftigten im Gesundheitswesen unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit anerkannt werden; Auskunft geben die zuständigen Unfallversicherungsträger wie die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).
Zahnarztpraxen im Blick
Die neue Studie dürfte gerade in der Zahnmedizin auf Interesse stoßen, denn sie rückt das Mund-Mikrobiom in den Mittelpunkt. Zahnärztinnen und Zahnärzte sehen Patientinnen und Patienten regelmäßig und könnten in Zukunft – sollten sich die Befunde bestätigen – eine Rolle bei der Früherkennung spielen. Schon heute gilt: Bei Behandlungen, bei denen Aerosole entstehen, schützen eine gute Raumlüftung, eine geeignete Absaugung und passende Schutzausrüstung Team und Patienten gleichermaßen.
Häufige Fragen zu Long COVID
Ist Long COVID durch die neue Studie heilbar geworden?
Nein. Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen veränderten Bakterien in Mund und Lunge und schweren Long-COVID-Beschwerden. Sie belegt weder eine Ursache noch eine Behandlung. Sie könnte aber den Weg für künftige Therapiestudien ebnen.[1][2]
Wie lange dauert Long COVID?
Das ist sehr unterschiedlich. Viele Betroffene erholen sich innerhalb einiger Monate deutlich. Bei einem Teil halten die Beschwerden jedoch über Jahre an, insbesondere wenn sich ein ME/CFS entwickelt hat. Eine verlässliche Prognose für den Einzelfall ist derzeit nicht möglich.
Welche Long COVID Symptome sind am häufigsten?
Am häufigsten sind Erschöpfung (Fatigue), Belastungsintoleranz, Atemnot, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme (Brain Fog), Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Herzrasen sowie Geruchs- und Geschmacksstörungen. Auch Magen-Darm-Beschwerden kommen vor.
Kann man Long COVID mit einem Test nachweisen?
Einen einzelnen Labortest gibt es bislang nicht. Die Diagnose wird anhand der Beschwerden, der Krankengeschichte und durch den Ausschluss anderer Ursachen gestellt. Die Mikrobiom-Forschung könnte langfristig zu Biomarkern beitragen, etwa über Speichelproben – davon ist die Praxis aber noch weit entfernt.
Helfen Probiotika gegen Long COVID?
Dafür gibt es keine ausreichenden Belege. Eine Studie aus Hongkong mit einem speziell entwickelten Präparat lieferte erste positive Hinweise, die sich aber nicht auf handelsübliche Probiotika übertragen lassen.[7] In der neuen britischen Studie waren ausgerechnet Milchsäurebakterien bei Menschen mit anhaltenden Beschwerden vermehrt vorhanden.[2] Sprechen Sie eine Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Bin ich nach einem milden Verlauf vor Long COVID sicher?
Nein. Das Risiko ist nach schweren Verläufen höher, aber auch nach milden Infektionen können anhaltende Beschwerden auftreten. Die neue Studie hat ausschließlich Menschen nach Krankenhausaufenthalt untersucht; ihre Ergebnisse gelten deshalb nicht automatisch für milde Verläufe.
Schützt eine Impfung vor Long COVID?
Studien zeigen, dass Geimpfte seltener Long COVID entwickeln. Einen vollständigen Schutz bietet die Impfung nicht.[16]
Wo finde ich Hilfe?
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Viele Universitätskliniken und größere Krankenhäuser haben Post-COVID-Ambulanzen eingerichtet. Unterstützung und Austausch bieten außerdem Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen für Long COVID und ME/CFS.
Was ist der Unterschied zwischen Long COVID und Post-COVID?
Long COVID bezeichnet Beschwerden, die länger als vier Wochen nach der Infektion anhalten. Von einem Post-COVID-Syndrom spricht man, wenn Beschwerden länger als zwölf Wochen bestehen und nicht anders erklärbar sind.[11]
Fazit: Eine neue Spur, aber noch kein Ziel
Die britische PHOSP-COVID-Studie zeigt eindrucksvoll, dass sich bei Menschen mit schwerem Long COVID auch Monate nach der Infektion messbare biologische Veränderungen finden lassen – in diesem Fall in der Bakterienwelt von Mund und Lunge. Unterschiedliche Beschwerdebilder gehen mit unterschiedlichen Mikrobiom-Mustern einher, und milchsäurebildende Bakterien stehen in Verbindung mit Entzündungsprozessen im Körper. Für Betroffene, deren Beschwerden lange als „psychisch“ abgetan wurden, ist jede dieser messbaren Spuren auch ein Stück Anerkennung.
Ein Durchbruch im Sinne einer Ursache oder Therapie ist die Studie jedoch nicht. Ob die veränderten Bakterien Long COVID mitverursachen oder eine Folge der Erkrankung sind, bleibt offen. Jetzt braucht es Verlaufsstudien, Untersuchungen an Menschen mit milden Verläufen und kontrollierte Behandlungsstudien.
Bis dahin bleiben die bekannten Bausteine wichtig: eine gute ärztliche Begleitung, Pacing bei Belastungsintoleranz, eine auf das Beschwerdebild zugeschnittene Rehabilitation – und Vorbeugung durch Impfung und bewährte Hygienemaßnahmen, damit es gar nicht erst zu einer Infektion kommt. Wir bei AMPri verfolgen die Forschung weiter und berichten, sobald es neue belastbare Erkenntnisse gibt.
Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen auf Basis der zum Veröffentlichungszeitpunkt verfügbaren Quellen erstellt. Er ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.
Quellen
- Van Beusekom M. Long-COVID symptoms may be linked to bacterial mix in the mouth, lungs. CIDRAP, University of Minnesota, 12.10.2026. cidrap.umn.edu
- Alferes de Lima Headley D, Richardson H, Hennayake C, et al.; PHOSP-COVID Collaborative Group. Sputum and oral microbiota profiles are associated with long COVID severity and phenotype post-hospitalisation: a UK multicentre, prospective cohort study. European Respiratory Journal 2026; 2601162 (Early View). DOI: 10.1183/13993003.01162-2026 · publications.ersnet.org
- European Respiratory Society. Pressemitteilung zur Studie, via EurekAlert!, Oktober 2026. eurekalert.org
- News-Medical. Severe long Covid associated with distinct oral and lung microbiomes, 11.10.2026. news-medical.net
- Haran JP, Bradley E, Zeamer AL, et al. Inflammation-type dysbiosis of the oral microbiome associates with the duration of COVID-19 symptoms and long COVID. JCI Insight 2021;6(20):e152346. DOI: 10.1172/jci.insight.152346
- Liu Q, Mak JWY, Su Q, et al. Gut microbiota dynamics in a prospective cohort of patients with post-acute COVID-19 syndrome. Gut 2022;71:544–552. DOI: 10.1136/gutjnl-2021-325989
- Lau RI, Su Q, Lau ISF, et al. A synbiotic preparation (SIM01) for post-acute COVID-19 syndrome in Hong Kong (RECOVERY): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. The Lancet Infectious Diseases 2024;24(3):256–265. DOI: 10.1016/S1473-3099(23)00685-0
- RECOVER Initiative (NIH). RECOVER at mid-year: 2026 progress and what's ahead, 01.07.2026. recovercovid.org
- The Sick Times. Research updates, September 29, 2026. thesicktimes.org
- Daniell J, et al. The rising cost of Long COVID and ME/CFS in Germany: 2026 update. Risklayer GmbH / ME/CFS Research Foundation, April 2026. mecfs-research.org (PDF)
- AWMF. S1-Leitlinie Long/Post-COVID, Registernummer 020-027. register.awmf.org
- World Health Organization. A clinical case definition of post COVID-19 condition by a Delphi consensus, 06.10.2021. who.int
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Expertengruppe Long COVID Off-Label-Use. bfarm.de
- Geng LN, Bonilla H, Hedlin H, et al. Nirmatrelvir-Ritonavir and Symptoms in Adults With Postacute Sequelae of SARS-CoV-2 Infection: The STOP-PASC Randomized Clinical Trial. JAMA Internal Medicine 2024;184(9):1024–1034. DOI: 10.1001/jamainternmed.2024.2007
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- Català M, Mercadé-Besora N, Kolde R, et al. The effectiveness of COVID-19 vaccines to prevent long COVID symptoms: staggered cohort analyses of data from the UK, Spain, and Estonia. The Lancet Respiratory Medicine 2024;12(3):225–236. DOI: 10.1016/S2213-2600(23)00414-9