Droht ein Ethanolverbot in Desinfektionsmitteln?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Wichtigste in Kürze
- Warum steht Ethanol überhaupt zur Debatte?
- Was passierte bisher? – Die Timeline
- Was wäre im schlimmsten Fall denkbar?
- Warum Ethanol so relevant ist
- Was bedeutet das für Wiederverkäufer?
- Was bedeutet das für Endanwender?
- Fazit: Kein Verbot – aber ein Wendepunkt möglich
- Quellen
Die Diskussion um ein mögliches Ethanolverbot in Desinfektionsmitteln sorgt seit Monaten für Unruhe in Handel, Industrie und im Gesundheitswesen. Hintergrund ist die laufende Bewertung von Ethanol als Wirkstoff unter der EU-Biozidprodukte-Verordnung (BPR).
Ein wichtiger Termin ist die Sitzung des Biocidal Products Committee (BPC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) vom 23.–25. Februar 2026. Dort wird die Bewertung erneut beraten – nachdem im November 2025 noch keine abschließende Stellungnahme erzielt werden konnte [1].
Doch was bedeutet das konkret? Droht wirklich ein Verbot von Ethanol oder Bioethanol? Und wie sollten sich Wiederverkäufer und Endanwender jetzt positionieren?
Das Wichtigste in Kürze
- Am 23.02.2026 beginnt eine entscheidende Sitzung der ECHA zur Bewertung von Ethanol als Biozid-Wirkstoff [1].
- Eine endgültige Entscheidung fällt nicht an diesem Tag, sondern erst nach Abschluss des wissenschaftlichen Bewertungsverfahrens – anschließend entscheidet die EU-Kommission [2].
- Ein sofortiges „Ethanolverbot“ gibt es aktuell nicht.
- Je nach Einstufung könnten jedoch neue Auflagen oder Einschränkungen entstehen.
Warum steht Ethanol überhaupt zur Debatte?
Ethanol ist seit Jahrzehnten ein zentraler Wirkstoff in:
- Händedesinfektionsmitteln
- Flächendesinfektionsmitteln
- Antiseptischen Lösungen
- Desinfektion im Lebensmittelbereich
Unter der Biozidprodukte-Verordnung (BPR) müssen Wirkstoffe regelmäßig überprüft werden. Dabei wird bewertet:
- Toxikologie
- Umweltwirkungen
- Expositionsszenarien
- Verfügbarkeit sicherer Alternativen
In der aktuellen Debatte geht es insbesondere um eine mögliche Einstufung hinsichtlich krebserzeugender Eigenschaften – was erhebliche regulatorische Folgen hätte [3].
Wichtig:
Bioethanol ist chemisch identisch mit Ethanol. Die Debatte unterscheidet nicht zwischen fossiler oder biogener Herkunft. Ein „Bioethanolverbot“ wäre faktisch eine Entscheidung über Ethanol insgesamt.
Was passierte bisher? – Die Timeline
November 2025
Das BPC diskutiert die Bewertung, erzielt jedoch keine Einigung. Die Entscheidung wird vertagt [1].
23.–25. Februar 2026
Erneute Beratung im BPC – dieser Termin gilt als richtungsweisend [4].
Nachfolgend 2026
Nach Abschluss der wissenschaftlichen Bewertung gibt das BPC eine Stellungnahme („Opinion“) ab.
Darauf aufbauend entscheidet die EU-Kommission über die regulatorische Zukunft von Ethanol als Biozidwirkstoff [2].
Was wäre im schlimmsten Fall denkbar?
Es kursieren teils alarmierende Berichte über ein „Verbot von Händedesinfektionsmitteln“ [5]. Realistisch sind drei Szenarien:
Szenario 1 – Status quo bleibt bestehen
Ethanol bleibt weiterhin regulär zugelassen.
Szenario 2 – Zulassung mit strengeren Auflagen
- Einschränkungen im Consumer-Bereich
- Zusätzliche Kennzeichnungspflichten
- Höhere Dokumentationsanforderungen
Szenario 3 – Substitutionspflicht / De-facto-Verbot in bestimmten Bereichen
Sollte Ethanol als besonders besorgniserregender Stoff eingestuft werden, könnten viele Anwendungen nur noch über Ausnahmeregelungen möglich sein [6].
Ein vollständiges sofortiges Marktverbot gilt derzeit jedoch als unwahrscheinlich.
Warum Ethanol so relevant ist
Ethanol bietet mehrere Vorteile:
- Breites Wirkspektrum gegen Bakterien und viele Viren
- Gute Hautverträglichkeit bei geeigneter Formulierung
- Schnelle Verdunstung ohne Rückstände
- Bewährte Anwendung in Medizin und Pflege
Alternativen wie Propanol (Isopropanol) sind zwar verfügbar, aber nicht in allen Anwendungen 1:1 austauschbar. Materialverträglichkeit, Geruch, Verdunstungsverhalten und Lieferketten spielen eine Rolle [6].
Gerade im Gesundheitswesen ist Ethanol ein zentraler Bestandteil bewährter Hygienekonzepte.
Was bedeutet das für Wiederverkäufer?
Für Händler und Großhändler im Bereich medizinischer Einwegprodukte und Hygiene empfiehlt sich eine strategische Vorbereitung:
- Sortiment breiter aufstellen
Parallelführung von ethanolbasierten und alternativen Wirkstoffen. - Dokumentation prüfen
- Sicherheitsdatenblätter aktuell?
- Zulassungsstatus korrekt hinterlegt?
- Produktkennzeichnung rechtskonform?
- Kundenkommunikation vorbereiten
Ein FAQ-Bereich zum Thema „Ist Ethanol verboten?“ schafft Vertrauen. - Hygiene ganzheitlich denken
Desinfektion ist nur ein Baustein. Ein robustes Hygienekonzept umfasst:- Einmalhandschuhe
- Schutzkleidung
- Spendersysteme
- Besucherschutzlösungen
Beispielsweise unterstützen normgeprüfte Nitrilhandschuhe mit entsprechenden Schutzpiktogrammen bei der sicheren Umsetzung von Hygienemaßnahmen (siehe AMPri PURE-Katalog) [7].
Ebenso sorgen geeignete Spendersysteme für kontrollierte Entnahme und reduzierte Kreuzkontamination [7].
Gerade in Zeiten regulatorischer Unsicherheit wird deutlich:
Ein belastbares Hygienekonzept basiert nicht nur auf einem einzigen Wirkstoff.
Was bedeutet das für Endanwender?
Aktueller Stand:
Ethanolhaltige Desinfektionsmittel dürfen weiterhin verwendet werden.
Wichtig bleibt:
- Einwirkzeiten einhalten
- Hände vollständig trocknen lassen
- Hautschutzkonzept beachten
- Handschuhe korrekt an- und ablegen
Die Kombination aus Händedesinfektion und geeigneten Einmalhandschuhen bleibt eine zentrale Säule moderner Infektionsprävention.
Fazit: Kein Verbot – aber ein Wendepunkt möglich
Die Sitzung am 23.02.2026 ist ein wichtiger Meilenstein, aber kein automatischer Verbotsstichtag.
Dennoch zeigt die Debatte:
Der Markt für Desinfektionsmittel bleibt regulatorisch sensibel. Händler und Anwender profitieren jetzt von:
- Informationsvorsprung
- Sortimentssicherheit
- ganzheitlichen Hygienekonzepten
Wir beobachten die Entwicklungen engmaschig und informieren, sobald eine finale Entscheidung vorliegt.
Quellen
- ECHA – Ethanol opinion postponed to 2026
https://echa.europa.eu/-/echa-s-opinion-on-ethanol-postponed-to-2026 - Euronews – European Commission to determine safety of ethanol in hand sanitiser
https://www.euronews.com/my-europe/2025/12/03/european-commission-to-determine-safety-of-ethanol-in-hand-sanitiser - Financial Times – EU weighs ban on ethanol in hand sanitiser over cancer fears
https://www.ft.com/content/49dd345a-1b85-4e04-bd2e-fec38ce9637c - IHO – Ethanol: Entscheidende Phase der regulatorischen Bewertung
https://www.iho.de/aktuell/ethanol-entscheidende-phase-der-regulatorischen-bewertung/ - Lebensmittelpraxis – Europa könnte Ethanol verbannen
https://lebensmittelpraxis.de/zentrale-management/47376-desinfektion-europa-koennte-ethanol-verbannen-das-wuerde-die-branche-hart-treffen.html - Sagentia – The EU Ethanol Situation: What Hand Sanitiser Manufacturers Need to Know
https://sagentia.com/insight/the-eu-ethanol-situation-what-hand-sanitiser-manufacturers-need-to-know/ - AMPri PURE Catalogue 2025
https://www.ampri.de/katalog