Antibiotikaresistenzen
Antibiotikaresistenz: Ursachen, Risiken und wirksame Präventionsstrategien
Antibiotikaresistenzen zählen zu den größten Herausforderungen für Gesundheitssysteme weltweit. Dieser Artikel erklärt verständlich, wie Resistenzen entstehen, warum Einrichtungen besonders betroffen sind und welche Maßnahmen – insbesondere Hygiene, Desinfektion und Antibiotic Stewardship – nachweislich helfen, Übertragungen zu verhindern.
Inhaltsverzeichnis
- Antibiotikaresistenz – eine stille globale Gesundheitskrise
- Wie entstehen Antibiotikaresistenzen?
- Warum Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen besonders betroffen sind
- Hygiene als wirksamste Präventionsmaßnahme
- Rolle von Einwegprodukten in der Infektionsprävention
- Antibiotic Stewardship – verantwortungsvoller Antibiotikaeinsatz
- One Health, Umwelt und ein Blick in die Eishöhle
- Forschung, Innovation und Zukunftsperspektiven
- Fazit: Antibiotikaresistenz ist beherrschbar – aber nur durch konsequentes Handeln
- Quellenverzeichnis
Antibiotikaresistenz: Eine stille globale Gesundheitskrise
Antibiotika zählen zu den bedeutendsten medizinischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Seit der Entdeckung des Penicillins durch Alexander Fleming im Jahr 1928 konnten bakterielle Infektionen behandelt werden, die zuvor häufig tödlich verliefen. Operationen, Krebstherapien, Organtransplantationen und die moderne Intensivmedizin wären ohne wirksame Antibiotika kaum denkbar.
Doch dieser medizinische Fortschritt gerät zunehmend in Gefahr.
Eine wachsende Bedrohung für die globale Gesundheit
Antibiotikaresistenzen entstehen, wenn Bakterien Mechanismen entwickeln, um der Wirkung eines Antibiotikums zu entgehen. Das Medikament verliert seine Wirksamkeit – die Infektion wird schwerer behandelbar oder sogar unbehandelbar.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Antibiotikaresistenzen (Antimicrobial Resistance, AMR) als eine der größten globalen Gesundheitsbedrohungen ein.¹
Eine vielzitierte Studie im Fachjournal The Lancet schätzte, dass im Jahr 2019 weltweit rund 4,95 Millionen Todesfälle mit bakteriellen Resistenzen assoziiert waren. Etwa 1,27 Millionen Todesfälle konnten direkt auf resistente Erreger zurückgeführt werden.²
Zum Vergleich: Damit liegen antibiotikaresistente Infektionen bereits heute in einer Größenordnung, die mit HIV oder Malaria vergleichbar ist.
Auch wirtschaftlich ist die Dimension erheblich. Die OECD prognostiziert, dass resistente Infektionen in Europa, Nordamerika und Australien ohne Gegenmaßnahmen hunderttausende zusätzliche Todesfälle verursachen und Milliardenkosten im Gesundheitssystem nach sich ziehen könnten.³
Warum man von einer „stillen Pandemie“ spricht
Antibiotikaresistenz breitet sich nicht sprunghaft aus wie ein Virus in einer Pandemie. Sie entwickelt sich schleichend – oft unbemerkt – in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, der ambulanten Versorgung, in der Tierhaltung und sogar in der Umwelt.
Resistente Bakterien wie:
- MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus)
- ESBL-bildende Enterobakterien
- VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken)
- Carbapenem-resistente Erreger (CRE)
stellen medizinische Einrichtungen weltweit vor enorme Herausforderungen.
Das Problem verschärft sich zusätzlich dadurch, dass die Entwicklung neuer Antibiotikaklassen nur langsam voranschreitet. Während Bakterien sich evolutionär anpassen, stagniert die Pipeline neuer Wirkstoffe.
Wichtige Abgrenzung: Antibiotika wirken nur gegen Bakterien
Ein zentraler Aspekt im öffentlichen Diskurs ist die korrekte Einordnung:
Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien – nicht gegen Viren.
Erkältungen, Influenza oder COVID-19 sind virale Infektionen. Der unnötige Einsatz von Antibiotika bei viralen Erkrankungen beschleunigt jedoch die Resistenzentwicklung, da empfindliche Bakterien abgetötet werden und resistente Keime überleben.
Warum das Thema Einrichtungen besonders betrifft
Gesundheitseinrichtungen stehen im Zentrum der Resistenzproblematik:
- Hohe Antibiotikaverordnungen
- Immungeschwächte Patientinnen und Patienten
- Invasive Maßnahmen (Katheter, Beatmung, Operationen)
- Hohe Keimlast und enge Patientenkontakte
Hier entscheidet sich täglich, ob Resistenzen eingedämmt oder weiterverbreitet werden.
Damit wird klar: Antibiotikaresistenz ist nicht nur ein pharmakologisches oder mikrobiologisches Problem. Es ist auch eine Frage von Strukturqualität, Hygiene, Prävention und verantwortungsvollem Handeln.
Im nächsten Abschnitt wird daher erläutert, wie Resistenzen biologisch entstehen – und warum sie evolutionär unvermeidbar, aber durch menschliches Verhalten massiv beschleunigt sind.
Wie entstehen Antibiotikaresistenzen?
Antibiotikaresistenzen sind kein zufälliges Ereignis, sondern das Ergebnis biologischer Anpassungsprozesse. Bakterien besitzen eine außergewöhnliche Fähigkeit, sich genetisch zu verändern und Umweltbedingungen anzupassen. Unter dem Selektionsdruck durch Antibiotika beschleunigt sich dieser Prozess erheblich.
Um das Problem zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die grundlegenden Mechanismen.
Wie wirken Antibiotika überhaupt?
Antibiotika greifen gezielt in lebenswichtige Prozesse von Bakterien ein. Je nach Wirkstoffklasse geschieht dies beispielsweise durch:
- Hemmung des Zellwandaufbaus (z. B. Penicilline, Cephalosporine)
- Störung der Proteinsynthese (z. B. Makrolide, Tetrazykline)
- Eingriff in die DNA-Replikation (z. B. Fluorchinolone)
- Hemmung zentraler Stoffwechselwege
Wichtig ist: Diese Angriffspunkte existieren nur bei Bakterien – deshalb wirken Antibiotika nicht gegen Viren.
Wenn ein Antibiotikum eingesetzt wird, sterben empfindliche Bakterien ab. Überleben jedoch einzelne Keime mit genetischen Anpassungen, können sie sich vermehren. Genau hier beginnt das Resistenzproblem.
Mutation und natürliche Selektion
Resistenzen entstehen häufig durch zufällige genetische Mutationen.
Ein Beispiel: Verändert sich die Struktur eines bakteriellen Enzyms oder Rezeptors minimal, kann das Antibiotikum nicht mehr effektiv binden. Das Bakterium überlebt – während andere sterben.
Dieser Vorgang folgt einem klassischen evolutionären Prinzip:
- Zufällige Mutation
- Selektionsdruck durch Antibiotika
- Überleben resistenter Bakterien
- Vermehrung und Weitergabe der Resistenz
Je häufiger und unsachgemäßer Antibiotika eingesetzt werden, desto stärker ist der Selektionsdruck.
Horizontaler Gentransfer – Bakterien „teilen“ Resistenzen
Besonders problematisch ist, dass Bakterien Resistenzgene nicht nur an ihre Nachkommen weitergeben, sondern auch untereinander austauschen können.
Dieser sogenannte horizontale Gentransfer erfolgt unter anderem über:
- Plasmide (kleine, mobile DNA-Ringe)
- Transposons („springende Gene“)
- Bakteriophagen (Viren, die Bakterien infizieren)
Dadurch kann sich eine Resistenz innerhalb kürzester Zeit zwischen verschiedenen Bakterienarten verbreiten. Selbst harmlose Darmbakterien können Resistenzgene an pathogene Erreger weitergeben.
Dieser Mechanismus erklärt, warum sich Resistenzen global so schnell ausbreiten.
Multiresistente Erreger (MRE)
Von multiresistenten Erregern spricht man, wenn Bakterien gegen mehrere Antibiotikaklassen gleichzeitig unempfindlich sind.
Wichtige Beispiele sind:
- MRSA – resistent gegen Methicillin und weitere Beta-Laktam-Antibiotika
- ESBL-bildende Enterobakterien – produzieren Enzyme, die viele Penicilline und Cephalosporine inaktivieren
- VRE – resistent gegen Vancomycin
- Carbapenem-resistente Enterobacterales (CRE) – oft letzte therapeutische Option betroffen
Solche Erreger schränken die Behandlungsmöglichkeiten erheblich ein und führen häufiger zu Komplikationen, längeren Krankenhausaufenthalten und erhöhter Mortalität.¹
Natürliche vs. erworbene Resistenz
Nicht jede Resistenz ist neu entstanden.
- Natürliche (intrinsische) Resistenz: Manche Bakterienarten sind von Natur aus gegen bestimmte Antibiotika unempfindlich.
- Erworbene Resistenz: Entsteht durch Mutation oder Gentransfer.
Studien haben gezeigt, dass Resistenzgene bereits in sehr alten Umweltproben existieren – sogar in jahrtausendealtem Permafrost.²
Resistenz ist also ein evolutionäres Phänomen. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Verbreitung – maßgeblich beeinflusst durch menschliches Handeln.
Warum der Mensch die Entwicklung beschleunigt
Mehrere Faktoren verstärken den Selektionsdruck:
- Übermäßige oder unnötige Antibiotikaverordnungen
- Zu kurze oder zu lange Therapiedauern
- Einsatz von Breitbandantibiotika
- Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung
- Unzureichende Hygiene in Einrichtungen
- Globale Mobilität
Besonders in Gesundheitseinrichtungen treffen hohe Antibiotikaanwendung, vulnerable Patientengruppen und enge Kontakte aufeinander – ideale Bedingungen für die Selektion und Verbreitung resistenter Keime.
Damit wird deutlich: Die Resistenzentwicklung ist biologisch erklärbar – aber durch strukturelle, hygienische und organisatorische Maßnahmen beeinflussbar.
Im nächsten Abschnitt wird deshalb erläutert, warum Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen eine Schlüsselrolle in der Resistenzdynamik spielen.
Warum Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen besonders betroffen sind
Gesundheitseinrichtungen stehen im Zentrum der Resistenzproblematik. Hier treffen mehrere Risikofaktoren gleichzeitig aufeinander: hoher Antibiotikaverbrauch, vulnerable Patientengruppen, invasive Maßnahmen und eine hohe Keimlast. Diese Kombination schafft ideale Bedingungen für die Entstehung und Verbreitung antibiotikaresistenter Erreger.
Hoher Antibiotikaverbrauch als Selektionsdruck
In Krankenhäusern werden Antibiotika häufig eingesetzt – sowohl therapeutisch als auch prophylaktisch, etwa vor Operationen. Besonders auf Intensivstationen erhalten viele Patientinnen und Patienten Breitbandantibiotika.
Jede Antibiotikagabe erzeugt Selektionsdruck: Empfindliche Bakterien werden eliminiert, resistente Keime überleben und können sich ausbreiten. In Einrichtungen mit hoher Antibiotikadichte verstärkt sich dieser Effekt erheblich.
Das Robert Koch-Institut (RKI) weist regelmäßig darauf hin, dass der rationale Einsatz von Antibiotika eine der zentralen Maßnahmen zur Resistenzvermeidung ist.¹
Vulnerable Patientengruppen
In Kliniken und Pflegeeinrichtungen befinden sich überdurchschnittlich viele Menschen mit:
- geschwächtem Immunsystem
- chronischen Erkrankungen
- hohem Alter
- offenen Wunden
- Kathetern oder Zugängen
- künstlicher Beatmung
Solche Patientinnen und Patienten sind anfälliger für Infektionen – und damit auch für Infektionen mit resistenten Erregern.
Besonders problematisch: Selbst harmlose Haut- oder Darmbakterien können bei immungeschwächten Personen schwere Krankheitsverläufe verursachen.
Invasive Maßnahmen als Eintrittspforte
Moderne Medizin arbeitet mit zahlreichen invasiven Verfahren:
- Harnwegskatheter
- zentrale Venenkatheter
- Drainagen
- chirurgische Eingriffe
- Beatmungssysteme
Diese Maßnahmen durchbrechen natürliche Barrieren wie Haut oder Schleimhäute. Dadurch erhalten Bakterien direkten Zugang zum Blutkreislauf oder zu inneren Organen.
Viele nosokomiale Infektionen (im Krankenhaus erworbene Infektionen) stehen im Zusammenhang mit solchen Eingriffen.
Nosokomiale Infektionen – ein unterschätztes Risiko
Nosokomiale Infektionen betreffen in Europa jedes Jahr Millionen von Patientinnen und Patienten.²
Resistente Erreger spielen hierbei eine zunehmende Rolle. Typische Infektionsarten sind:
- postoperative Wundinfektionen
- Harnwegsinfektionen
- ventilatorassoziierte Pneumonien
- Sepsis
Resistente Infektionen führen häufiger zu:
- längeren Krankenhausaufenthalten
- intensiverer Therapie
- höheren Behandlungskosten
- erhöhter Sterblichkeit
Biofilme und persistente Keime
Ein weiterer Faktor ist die Bildung von Biofilmen.
Biofilme sind bakterielle Gemeinschaften, die sich auf Oberflächen ansiedeln – beispielsweise auf Kathetern, Implantaten oder medizinischen Geräten. In dieser Struktur sind Bakterien besonders widerstandsfähig gegenüber Antibiotika und Desinfektionsmaßnahmen.
Biofilme können chronische Infektionen begünstigen und stellen eine besondere Herausforderung für die Hygiene dar.
Übertragung durch Kontakt
Die Verbreitung resistenter Erreger erfolgt in Einrichtungen häufig über:
- Hände des Personals
- medizinische Geräte
- gemeinsam genutzte Flächen
- unzureichend aufbereitete Materialien
Hier zeigt sich deutlich: Resistenz ist nicht nur ein pharmakologisches Problem, sondern ein hygienisches.
Unzureichende Händehygiene oder mangelhafte Flächendesinfektion können zur Weitergabe multiresistenter Keime beitragen – selbst wenn die Antibiotikatherapie korrekt durchgeführt wurde.
Pflegeeinrichtungen als besondere Herausforderung
Pflegeheime sind in der Resistenzdynamik ebenfalls relevant:
- enge räumliche Kontakte
- häufige Krankenhausverlegungen
- chronisch kranke Bewohnerinnen und Bewohner
- wiederholte Antibiotikatherapien
Studien zeigen, dass resistente Erreger zwischen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zirkulieren können – ein sogenannter „Drehtüreffekt“.
Einrichtungen als Schlüsselort der Prävention
Die gute Nachricht: Gesundheitseinrichtungen sind nicht nur Risikozonen, sondern auch zentrale Orte der Prävention.
Durch strukturierte Maßnahmen können Einrichtungen:
- Übertragungswege unterbrechen
- Resistenzentwicklung verlangsamen
- Patientensicherheit erhöhen
Dabei spielen Hygiene, Desinfektion, Schutzkleidung und standardisierte Prozesse eine entscheidende Rolle.
Im nächsten Abschnitt wird deshalb erläutert, warum konsequente Hygienemaßnahmen – insbesondere Händedesinfektion, Flächendesinfektion und der sachgerechte Einsatz von Schutzprodukten – als wirksamste Strategie gegen die Verbreitung resistenter Erreger gelten.
Hygiene und Desinfektion: Wirksame Prävention gegen resistente Keime
Antibiotikaresistenz lässt sich nicht allein durch neue Medikamente kontrollieren. Der wirksamste Hebel liegt in der Vermeidung von Infektionen und der Unterbrechung von Übertragungsketten.
Je weniger Infektionen auftreten, desto weniger Antibiotika werden benötigt – und desto geringer ist der Selektionsdruck auf Bakterien.
Hygiene ist daher keine Begleitmaßnahme, sondern ein zentraler Bestandteil der Resistenzstrategie.
Händehygiene – die wichtigste Einzelmaßnahme
Die Hände sind der häufigste Übertragungsweg für Krankheitserreger in medizinischen Einrichtungen.
Die WHO definiert mit den „5 Momenten der Händehygiene“ klare Indikationen für die Händedesinfektion:¹
- Vor Patientenkontakt
- Vor aseptischen Tätigkeiten
- Nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material
- Nach Patientenkontakt
- Nach Kontakt mit der Patientenumgebung
Die alkoholische Händedesinfektion gilt als Goldstandard, da sie schnell wirksam, gut verträglich und effektiv gegen die meisten relevanten Erreger ist.
Studien zeigen: Eine konsequente Händehygiene reduziert nosokomiale Infektionen signifikant – einschließlich solcher mit multiresistenten Keimen.
Flächendesinfektion und Umgebungsmanagement
Neben den Händen spielen auch patientennahe Flächen eine zentrale Rolle:
- Bettgitter
- Nachttische
- Türgriffe
- medizinische Geräte
- Sanitäreinrichtungen
Resistente Erreger können auf Oberflächen teilweise über Stunden oder Tage persistieren.²
Regelmäßige, validierte Flächendesinfektion mit geeigneten, geprüften Desinfektionsmitteln ist daher essenziell.
Dabei sind entscheidend:
- korrekte Einwirkzeiten
- geeignete Wirkstoffklassen
- geschultes Personal
- strukturierte Reinigungspläne
Schutzkleidung als Barriere gegen Kreuzkontamination
Schutzkleidung unterbricht Übertragungsketten zwischen Personal, Patientinnen und Patienten sowie der Umgebung.
Wichtige Elemente sind:
- Einmalhandschuhe
- Schutzkittel
- Mund-Nasen-Schutz bzw. medizinische Masken
- ggf. FFP-Masken
- Überschuhe oder Haarschutz in bestimmten Bereichen
Einmalhandschuhe reduzieren das Risiko der direkten Keimübertragung, ersetzen jedoch niemals die Händedesinfektion. Sie sind als ergänzende Barriere zu verstehen.
Besonders bei Kontakt mit multiresistenten Erregern oder bei Isolationsmaßnahmen ist normkonforme, qualitativ geprüfte Schutzkleidung unverzichtbar.
Beispielsweise sollten medizinische Einmalhandschuhe mindestens den Anforderungen der EN 455 (Medizinprodukte) entsprechen und – je nach Einsatzbereich – zusätzlich als PSA nach EN ISO 374 zertifiziert sein.
Ebenso müssen Schutzkittel je nach Risikoeinstufung den Vorgaben der MDR oder der PSA-Verordnung entsprechen.
Strukturierte Isolations- und Präventionsmaßnahmen
Bei Nachweis multiresistenter Erreger kommen zusätzliche Maßnahmen zum Einsatz:
- Kontaktisolierung
- Einzelzimmerunterbringung
- Kohortenisolierung
- dedizierte Geräte
- klare Kennzeichnung und Schulung
Solche strukturierten Konzepte sind in nationalen Leitlinien, etwa durch das RKI, definiert.
Warum Prävention effektiver ist als neue Antibiotika
Die Entwicklung neuer Antibiotika ist zeitaufwendig, kostenintensiv und wissenschaftlich komplex. Gleichzeitig entwickeln Bakterien früher oder später auch gegen neue Wirkstoffe Resistenzen.
Hygiene hingegen wirkt sofort – unabhängig vom Resistenzmechanismus.
Jede verhinderte Infektion bedeutet:
- kein Antibiotikaeinsatz
- kein zusätzlicher Selektionsdruck
- keine Weiterverbreitung resistenter Erreger
Deshalb gilt in der modernen Infektionsprävention:
Hygiene ist Resistenzschutz.
Qualität und Standardisierung als Erfolgsfaktor
Wirksame Hygienemaßnahmen basieren auf:
- zertifizierten Produkten
- normgerechter Herstellung
- dokumentierter Qualitätssicherung
- geschultem Personal
- klaren Prozessabläufen
Gerade in Einrichtungen mit hoher Patientendichte und vulnerablen Gruppen ist die Kombination aus validierter Desinfektion, geeigneter Schutzkleidung und konsequenter Umsetzung entscheidend für die Patientensicherheit.
Im nächsten Abschnitt wird deshalb näher beleuchtet, welche Rolle Einwegprodukte – insbesondere Handschuhe, Schutzkittel und Masken – in der praktischen Infektionsprävention spielen und warum ihre sachgerechte Auswahl und Qualität für die Resistenzkontrolle relevant ist.
Einwegprodukte in der Infektionsprävention: Barrieren gegen Kreuzkontamination
Einwegprodukte sind ein zentraler Bestandteil moderner Hygienekonzepte. Ihr Ziel ist klar definiert: Unterbrechung von Übertragungsketten und Vermeidung von Kreuzkontaminationen.
Gerade im Kontext antibiotikaresistenter Erreger kommt der sachgerechten Auswahl und Anwendung von Einmalprodukten eine besondere Bedeutung zu.
Warum Einweg statt Mehrweg?
Mehrwegprodukte sind grundsätzlich nicht problematisch – sofern sie korrekt aufbereitet werden. In der Praxis jedoch bestehen Risiken durch:
- unzureichende Reinigung
- Fehler in der Desinfektion
- fehlerhafte Sterilisation
- organisatorische Lücken
Einwegprodukte hingegen werden nach einmaligem Gebrauch entsorgt. Dadurch entfällt das Risiko einer unvollständigen Wiederaufbereitung.
Insbesondere bei:
- Kontaktisolierung
- invasiven Maßnahmen
- Wundversorgung
- Umgang mit multiresistenten Erregern
ist der Einsatz von Einmalprodukten ein etabliertes Präventionsinstrument.
Einmalhandschuhe – Barriere mit System
Medizinische Einmalhandschuhe reduzieren die direkte Übertragung von Keimen zwischen Personal und Patient.
Wichtig ist jedoch:
- Handschuhe ersetzen niemals die Händedesinfektion.
- Sie müssen indikationsgerecht eingesetzt werden.
- Sie müssen den geltenden Normen entsprechen.
Für den medizinischen Bereich sind insbesondere relevant:
- EN 455 (Teile 1–4) – Anforderungen an medizinische Einmalhandschuhe
- EN ISO 374 – Schutz vor Chemikalien und Mikroorganismen
- Klassifizierung nach MDR (EU 2017/745)
Beispielsweise kommen in Einrichtungen häufig zum Einsatz:
- Nitrilhandschuhe
- HIGH-RISK-Handschuhe für erhöhte mechanische oder chemische Belastung
Flächenmanagement und ergänzende Hygienelösungen
Neben persönlicher Schutzausrüstung spielen auch weitere Einwegprodukte eine Rolle:
- Einweg-Schürzen
- Ärmelschoner
- Untersuchungsliegenabdeckungen
- Spender- und Entnahmesysteme
Ein strukturierter Materialfluss unterstützt die Einhaltung hygienischer Standards.
Qualität als Sicherheitsfaktor
Nicht jedes Einwegprodukt bietet automatisch ausreichenden Schutz. Entscheidend sind:
- CE-Kennzeichnung
- MDR- oder PSA-Konformität
- geprüfte Materialstärken
- dokumentierte AQL-Werte
- Rückverfolgbarkeit
- kontrollierte Lieferkette
Insbesondere im Kontext antibiotikaresistenter Erreger dürfen keine Kompromisse bei Materialqualität oder Normkonformität gemacht werden.
Einwegprodukte als Teil eines Gesamtsystems
Einwegprodukte wirken nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit:
- Desinfektionsmaßnahmen
- Schulungen
- Antibiotic Stewardship
- Surveillance-Systemen
Richtig ausgewählt und korrekt angewendet, sind sie ein wirkungsvolles Instrument zur Unterbrechung von Infektionsketten – und damit ein indirekter, aber entscheidender Beitrag zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen.
Im nächsten Abschnitt wird daher erläutert, wie ein rationaler Antibiotikaeinsatz – im Rahmen des sogenannten Antibiotic Stewardship – zusätzlich zur Resistenzkontrolle beiträgt.
Antibiotic Stewardship: Antibiotika gezielt und verantwortungsvoll einsetzen
Neben Hygiene und Infektionsprävention ist der rationale Einsatz von Antibiotika der zweite zentrale Pfeiler im Kampf gegen Resistenzen. Dieses strukturierte Vorgehen wird unter dem Begriff Antibiotic Stewardship (ABS) zusammengefasst.
Ziel ist es, Antibiotika nur dann, so gezielt und so kurz wie medizinisch notwendig einzusetzen – ohne die Patientensicherheit zu gefährden.
Was bedeutet Antibiotic Stewardship?
Antibiotic Stewardship beschreibt ein systematisches Konzept zur Optimierung der Antiinfektiva-Therapie.
Zentrale Ziele sind:
- Verbesserung der Therapiequalität
- Reduktion unnötiger Antibiotikagaben
- Minimierung von Nebenwirkungen
- Verlangsamung der Resistenzentwicklung
- Senkung nosokomialer Infektionen
In Deutschland wird ABS unter anderem durch Empfehlungen des RKI und der AWMF-Leitlinien unterstützt.
Diagnostik vor Therapie
Ein Grundprinzip lautet:
„Erst testen, dann behandeln – wenn möglich.“
Vor Beginn einer Antibiotikatherapie sollten – sofern klinisch vertretbar – mikrobiologische Proben entnommen werden:
- Blutkulturen
- Urinkulturen
- Abstriche
- Wundproben
So kann der Erreger identifiziert und gezielt mit einem schmal wirksamen Antibiotikum behandelt werden, anstatt sofort ein Breitbandpräparat einzusetzen.
Breitbandantibiotika erhöhen den Selektionsdruck erheblich und fördern die Resistenzentwicklung.
Die richtige Substanz, Dosis und Dauer
Ein weiterer zentraler ABS-Grundsatz ist die Optimierung von:
- Wirkstoffauswahl
- Dosierung
- Therapiedauer
Zu kurze Therapien können ineffektiv sein – unnötig lange Therapien erhöhen hingegen die Resistenzentwicklung und Nebenwirkungsrate.
Moderne ABS-Programme empfehlen häufig:
- frühzeitige Reevaluation nach 48–72 Stunden
- Deeskalation bei vorliegendem Erregernachweis
- Umstellung auf orale Therapie, wenn möglich
Interdisziplinäre ABS-Teams
In vielen Krankenhäusern arbeiten strukturierte ABS-Teams, bestehend aus:
- Infektiologen
- Mikrobiologen
- Krankenhausapothekern
- Hygienefachpersonal
- behandelnden Ärzten
Diese Teams überwachen Antibiotikaverordnungen, analysieren Resistenzdaten und beraten klinische Abteilungen.
Studien zeigen, dass strukturierte ABS-Programme:
- den Antibiotikaverbrauch senken
- Resistenzraten reduzieren
- Behandlungsergebnisse verbessern können.¹
Verbindung von ABS und Hygiene
Antibiotic Stewardship und Hygiene sind keine getrennten Konzepte – sie ergänzen sich.
- Hygiene verhindert Infektionen → weniger Antibiotikabedarf
- ABS reduziert unnötige Antibiotikagaben → weniger Selektionsdruck
Beides zusammen bildet ein effektives Schutzsystem gegen die Ausbreitung multiresistenter Erreger.
Der One-Health-Ansatz
Resistenzentwicklung beschränkt sich nicht auf Krankenhäuser.
Der sogenannte One-Health-Ansatz berücksichtigt:
- Humanmedizin
- Tiermedizin
- Landwirtschaft
- Umwelt
Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung kann ebenfalls Resistenzgene fördern, die über Lebensmittelketten oder Umweltpfade in den Menschen gelangen.
Internationale Organisationen wie WHO, FAO und OIE betonen deshalb die sektorübergreifende Zusammenarbeit.
Warum Stewardship langfristig entscheidend ist
Die Entwicklung neuer Antibiotika ist wissenschaftlich komplex und wirtschaftlich wenig attraktiv. Gleichzeitig passen sich Bakterien kontinuierlich an.
Ein nachhaltiger Umgang mit bestehenden Wirkstoffen ist daher essenziell.
Antibiotika sind eine endliche Ressource – ihr Erhalt erfordert strukturiertes Handeln.
Im nächsten Abschnitt wird die globale Dimension der Resistenzproblematik beleuchtet – von Umweltfaktoren bis hin zu überraschenden wissenschaftlichen Erkenntnissen aus extremen Lebensräumen.
One Health: Umwelt, Tierhaltung und der Blick in die Eishöhle
Antibiotikaresistenzen entstehen nicht ausschließlich im Krankenhaus. Sie sind das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels zwischen Humanmedizin, Tiermedizin, Umwelt und globaler Mobilität. Dieses ganzheitliche Verständnis wird als One-Health-Ansatz bezeichnet.
One Health bedeutet: Die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt ist untrennbar miteinander verbunden.
Resistenzgene in der Umwelt
Antibiotika und resistente Bakterien gelangen auf verschiedenen Wegen in die Umwelt:
- Ausscheidungen behandelter Patientinnen und Patienten
- Abwässer von Krankenhäusern
- Rückstände aus der Tierhaltung
- Produktionsabwässer pharmazeutischer Betriebe
- Gülleausbringung in der Landwirtschaft
Kläranlagen können viele, aber nicht alle antibiotischen Wirkstoffe oder Resistenzgene vollständig eliminieren. In Gewässern und Böden entsteht dadurch ein zusätzlicher Selektionsdruck auf Umweltbakterien.
Resistenzgene können sich in mikrobiellen Gemeinschaften anreichern und später wieder in pathogene Keime übergehen.
Tierhaltung und Lebensmittelketten
In der Nutztierhaltung werden Antibiotika zur Behandlung bakterieller Erkrankungen eingesetzt. Auch wenn der Einsatz in Europa in den letzten Jahren deutlich reguliert und reduziert wurde, bleibt die Tiermedizin ein relevanter Faktor im Resistenzgeschehen.
Resistente Keime können:
- über direkten Tierkontakt
- über Fleischprodukte
- über Umweltpfade
auf den Menschen übertragen werden.
Deshalb verfolgen internationale Strategien – etwa von WHO, FAO und WOAH – einen sektorübergreifenden Ansatz zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes.
Globale Mobilität
Reiseverkehr, medizinischer Tourismus und internationale Lieferketten tragen zur weltweiten Verbreitung resistenter Erreger bei.
Resistenz ist kein lokales Problem. Ein multiresistenter Keim, der in einem Land entsteht, kann sich innerhalb weniger Tage über Kontinente hinweg ausbreiten.
Die resistente Bakterie aus der Eishöhle
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Komplexität des Themas lieferte eine Studie, in der Forschende Resistenzgene in jahrtausendealtem Permafrost nachweisen konnten.¹
In Proben aus isolierten Höhlen- und Permafrostregionen wurden Gene identifiziert, die heutigen Resistenzmechanismen ähneln – lange bevor der Mensch Antibiotika entwickelte.
Was bedeutet das?
Resistenz ist kein rein modernes Phänomen. Bakterien produzieren seit Millionen von Jahren natürliche Antibiotika, um sich gegenseitig zu bekämpfen. Andere Bakterien entwickelten als Antwort Schutzmechanismen.
Neu ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der sich Resistenzen heute verbreiten.
Der Mensch hat durch massenhaften Antibiotikaeinsatz und globale Vernetzung einen enormen Selektions- und Verbreitungsdruck erzeugt.
Die „Bakterie aus der Eishöhle“ zeigt also zweierlei:
- Resistenz ist evolutionär verankert.
- Der heutige globale Anstieg ist menschengemacht beschleunigt.
Klimawandel als zusätzlicher Faktor
Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass steigende Temperaturen das Wachstum bestimmter Bakterien begünstigen und die Verbreitung resistenter Keime beeinflussen könnten.²
Zudem könnten auftauende Permafrostböden bislang eingeschlossene Mikroorganismen freisetzen – ein Forschungsfeld, das derzeit intensiv untersucht wird.
Warum Prävention sektorübergreifend gedacht werden muss
Die Resistenzproblematik lässt sich daher nicht allein im Krankenhaus lösen.
Erforderlich sind:
- rationaler Antibiotikaeinsatz in Human- und Tiermedizin
- funktionierende Abwassersysteme
- globale Überwachungssysteme
- Hygienestandards in Einrichtungen
- internationale Kooperation
Antibiotikaresistenz ist ein globales Ökosystemproblem – mit lokalen Auswirkungen auf jede einzelne medizinische Einrichtung.
Im nächsten Abschnitt wird ein Blick in die Zukunft geworfen: Welche Forschungsansätze und Innovationen könnten helfen, die Resistenzentwicklung zu bremsen oder neue therapeutische Optionen zu schaffen?
Forschung und Zukunft: Neue Wege gegen Antibiotikaresistenzen
Die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen erfordert mehr als Prävention und rationalen Einsatz vorhandener Wirkstoffe. Weltweit wird intensiv an neuen therapeutischen Ansätzen, Diagnostikverfahren und technologischen Lösungen geforscht.
Gleichzeitig zeigt sich: Es wird keine einzelne „Wunderlösung“ geben. Vielmehr ist ein Bündel aus Innovation, Strukturmaßnahmen und globaler Kooperation notwendig.
Neue Antibiotika – begrenzte, aber wichtige Fortschritte
In den vergangenen Jahren wurden einzelne neue Wirkstoffe zugelassen, insbesondere gegen multiresistente gramnegative Erreger. Allerdings handelt es sich häufig um Modifikationen bestehender Substanzklassen.
Die Entwicklung neuer Antibiotikaklassen ist aus mehreren Gründen schwierig:
- hohe Forschungs- und Entwicklungskosten
- kurze Anwendungsdauer (Antibiotika werden nicht langfristig eingenommen)
- wirtschaftlich geringe Attraktivität im Vergleich zu chronischen Therapien
- schnelle Resistenzentwicklung
Internationale Initiativen versuchen daher, Anreizmodelle für die Antibiotikaforschung zu schaffen.
Phagentherapie – Viren gegen Bakterien
Ein viel diskutierter Ansatz ist die Phagentherapie.
Bakteriophagen sind Viren, die gezielt Bakterien infizieren und zerstören. Anders als Antibiotika wirken sie sehr spezifisch – oft nur gegen bestimmte Bakterienstämme.
Potenzielle Vorteile:
- gezielte Bekämpfung resistenter Erreger
- geringere Beeinträchtigung der natürlichen Mikrobiota
- alternative Option bei therapieresistenten Infektionen
Herausforderungen bestehen jedoch in der Standardisierung, regulatorischen Einordnung und schnellen Anpassung an mutierende Bakterien.
Impfstoffe als indirekte Resistenzprävention
Impfungen reduzieren bakterielle Infektionen – und damit auch den Bedarf an Antibiotika.
Ein bekanntes Beispiel ist die Pneumokokken-Impfung. Nach ihrer Einführung konnte in mehreren Ländern ein Rückgang antibiotikaresistenter Pneumokokken beobachtet werden.
Impfstrategien gelten daher als indirekte, aber äußerst wirksame Maßnahme zur Resistenzkontrolle.
Schnellere Diagnostik
Ein zentrales Problem in der Praxis ist die Zeit bis zum Erregernachweis. Klassische mikrobiologische Kulturen benötigen häufig 24–72 Stunden.
Moderne Entwicklungen umfassen:
- molekulare Schnelltests
- PCR-basierte Verfahren
- Point-of-Care-Diagnostik
- genomische Resistenzanalyse
Je schneller ein Erreger identifiziert wird, desto gezielter kann die Therapie erfolgen – und desto eher kann auf unnötige Breitbandantibiotika verzichtet werden.
Künstliche Intelligenz in der Resistenzforschung
KI-gestützte Systeme werden zunehmend eingesetzt, um:
- neue Wirkstoffstrukturen zu identifizieren
- Resistenzmuster vorherzusagen
- Therapieentscheidungen zu unterstützen
- Surveillance-Daten auszuwerten
Diese Technologien könnten künftig helfen, Resistenzentwicklungen früher zu erkennen und Gegenmaßnahmen schneller einzuleiten.
Warum Prävention dennoch der wichtigste Faktor bleibt
Trotz aller Innovationen gilt:
Kein Forschungsansatz kann kurzfristig die weltweite Resistenzproblematik lösen.
Neue Antibiotika werden – wie ihre Vorgänger – früher oder später ebenfalls auf resistente Keime treffen. Deshalb bleiben:
- konsequente Hygiene
- strukturierte Desinfektion
- normgerechte Schutzkleidung
- Antibiotic Stewardship
- internationale Kooperation
die tragenden Säulen der Resistenzkontrolle.
Forschung erweitert die Optionen – Prävention sichert die Gegenwart.
Im abschließenden Abschnitt wird daher zusammengefasst, welche Maßnahmen heute bereits wirksam sind und warum Einrichtungen eine besondere Verantwortung tragen.
Fazit: Resistenzen eindämmen durch Prävention und Verantwortung
Antibiotikaresistenz ist kein fernes Zukunftsszenario, sondern eine bereits heute spürbare Realität. Millionen Infektionen weltweit stehen im Zusammenhang mit resistenten Erregern. Moderne Medizin – von Routineoperationen bis zur Intensivtherapie – ist auf wirksame Antibiotika angewiesen.
Die Ursachen sind wissenschaftlich gut verstanden:
- Selektionsdruck durch Antibiotikaeinsatz
- Übertragung in medizinischen Einrichtungen
- globale Mobilität
- Umwelt- und Tierhaltungsfaktoren
- unzureichende Präventionsmaßnahmen
Gleichzeitig ist klar: Resistenzen entstehen evolutionär – aber ihre Geschwindigkeit und Verbreitung werden maßgeblich durch menschliches Handeln beeinflusst.
Einrichtungen tragen eine besondere Verantwortung
Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und ambulante Versorgungsstrukturen sind zentrale Schnittstellen im Resistenzgeschehen.
Hier entscheidet sich täglich:
- ob Infektionen verhindert werden,
- ob Antibiotika rational eingesetzt werden,
- ob Hygienestandards konsequent umgesetzt werden.
Konsequente Händehygiene, strukturierte Flächendesinfektion, normgerechte Schutzkleidung und qualitätsgesicherte Einwegprodukte sind keine Formalitäten – sie sind konkrete Maßnahmen zur Unterbrechung von Infektionsketten.
Jede verhinderte Infektion reduziert den Bedarf an Antibiotika.
Jede vermiedene Antibiotikagabe senkt den Selektionsdruck.
Prävention wirkt unmittelbar – und nachhaltig.
Antibiotika sind eine endliche Ressource
Die Entwicklung neuer Wirkstoffe kann mit der Anpassungsfähigkeit von Bakterien kaum Schritt halten. Deshalb ist ein verantwortungsvoller Umgang mit bestehenden Antibiotika unerlässlich.
Antibiotic Stewardship-Programme, Surveillance-Systeme und der One-Health-Ansatz zeigen: Die Lösung liegt in strukturiertem, interdisziplinärem Handeln.
Ein realistischer, aber konstruktiver Ausblick
Die resistente Bakterie aus jahrtausendealtem Permafrost hat gezeigt: Resistenz ist kein neues Phänomen.
Neu ist jedoch die globale Dynamik – und damit auch die globale Verantwortung.
Die gute Nachricht:
Wir verfügen bereits heute über wirksame Instrumente:
- evidenzbasierte Hygienestandards
- geprüfte Desinfektionsverfahren
- normkonforme Schutzprodukte
- strukturierte Antibiotikastrategien
- internationale Kooperation
Antibiotikaresistenz ist eine stille Krise – aber keine unkontrollierbare.
Mit konsequenter Prävention, qualitativ hochwertiger Ausstattung und verantwortungsvollem Antibiotikaeinsatz lässt sich ihre Dynamik deutlich verlangsamen.
Quellenverzeichnis
Nachfolgend finden Sie die im Artikel verwendeten sowie thematisch relevanten wissenschaftlichen und institutionellen Quellen. Die Auswahl basiert auf international anerkannten Fachinstitutionen und peer-reviewten Publikationen.
-
World Health Organization (WHO).
Antimicrobial resistance – Fact sheets.
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